“Langer Lulatsch”: Berliner Funkturm wird 100 Jahre alt

Einst das höchste Gebäude Deutschlands und später Wahrzeichen des Westteils der Stadt, fristet der Berliner Funkturm seit der Errichtung des berühmten Fernsehturms das Dasein des ewigen Zweiten. Doch viele Berliner schätzen den weniger überlaufenen Turm in Charlottenburg-Wilmersdorf, der ebenso wie sein 1969 fertiggestelltes berühmtes Pendant im Osten mit einem Restaurant in luftiger Höhe und spektakulärer Aussicht lockt. Am Donnerstag jährt sich seine Eröffnung zum 100. Mal.
“Achtung! Hier Funkturm Lietzensee! Zwischen Havel und Oberspree! Der Funkturm sendet im Programm die Funkturmweihe vom Kaiserdamm”, lauteten die ersten vom Funkturm aus versendeten Sätze bei der Einweihung am 3. September 1926. Sie kamen aus dem Mund des damals berühmten Radiosprechers Alfred Braun. Er war Zeuge der feierlichen Funkturmeinweihung im Rahmen der Eröffnung der “3. Großen Deutschen Funkausstellung”, dem Vorläufer der auch in diesem September stattfindenden Elektronikmesse IFA.
“Langer Lulatsch” seit 1989 ohne Sendeanlage
Als Funkturm für Radiosender, von dem am 9. März 1929 sogar die ersten Fernsehbilder der Welt gesendet wurden, symbolisierte der Stahlkoloss vor 100 Jahren die Spitzenposition des Deutschen Reichs im Bereich Forschung und Technik. Während der Berlin-Blockade und der Luftbrücke 1948/1949 wurde er dann zum Leuchtturm: Gelbe 3000-Watt-Scheinwerfer wiesen den “Rosinenbombern” den Weg zum Tempelhofer Flughafen.
Mittlerweile wird der im Volksmund liebevoll “Langer Lulatsch” genannte Koloss längst nicht mehr als Funkturm benötigt, bereits 1989 wurde die Sendeanlage an der Spitze abgebaut. Was blieb, sind die Aussichtsplattform auf 126 Metern Höhe und das Restaurant. Mehr als 17 Millionen Besucher zählte die Eignerin des Bauwerks, die landeseigene Messe Berlin GmbH, in den vergangenen Jahrzehnten.
“Immer wieder illuminiert”
Mit der Wiedervereinigung erfuhr Berlin eine Renaissance als wichtiger Messestandort, wodurch auch der Funkturm als Teil des Messeareals wieder stärker in den Blickpunkt geriet. Die Flächen für Messen und Kongresse wurden immer wieder erweitert, die zu den Olympischen Spielen 1936 errichtete Deutschlandhalle musste dem neuen Citycube weichen. Seit einigen Jahren wird der Turm immer wieder illuminiert – jeweils passend zur gerade stattfindenden Messe – etwa grün während der Grünen Woche oder orange während der Tourismusbörse ITB.
Auch das Jubiläumsjahr wurde bereits mit verschiedenen Lichtshows begangen, außerdem gab es spezielle Führungen. Am 6. Juni 2026, einem für Hochzeitspaare beliebtem Datum, fungierte das gerade sanierte Restaurant in 55 Metern Höhe ausnahmsweise als Standesamt – sechs Brautpaare gaben sich hier das Jawort.
Und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) fand anlässlich des Jubiläums große Worte für das Bauwerk: “Auch nach 100 Jahren hat der Funkturm nichts von seiner Faszination verloren”, erklärte er bereits im Frühjahr. “Der Funkturm gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor oder der Fernsehturm – und ist ein unverzichtbarer Teil der Berliner Skyline.”
(Von Katharina Wiechers/AFP)