Lebensmittelhandel mit Mercosur-Ländern bisher gering

Österreichs Lebensmittelsektor hat bisher nur in relativ geringem Ausmaß Handel mit den Mercosur-Staaten betrieben. Die agrarischen Importe beliefen sich in den ersten drei Quartalen 2025 auf 121 Mio. Euro, das sind gut 0,8 Prozent aller agrarischen Einfuhren für diesen Zeitraum. Exportiert wurden Waren im Wert von 170 Mio. Euro, das entspricht 1,3 Prozent des Exportvolumens, zeigen Daten der WKÖ und der Statistik Austria. Soja-Importe sind darin allerdings nicht enthalten.
Die durchaus gewichtigen Soja-Einfuhren – insbesondere aus Brasilien werden entsprechende Erzeugnisse bezogen – würden in der Statistik nicht ausgewiesen, da die Produkte hauptsächlich nach Deutschland verschifft, dort in den freien Warenverkehr übergeführt würden und daher nicht direkt den Mercosur-Ländern zuordenbar seien, erklärte Josef Domschitz vom WKÖ-Fachverband der Lebensmittelindustrie am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Generell fielen die österreichischen Agrarimporte aus den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay gemessen an den Gesamteinfuhren aber kaum ins Gewicht.
WKÖ-Fachverband: Keine Schwemme an Agrarprodukten aus Südamerika
Mit dem Abbau der Zollschranken dürfte der Handel in den kommenden Jahren zwar zunehmen, vor einer möglichen Schwemme an Lebensmitteln aus Südamerika müsse man allerdings keine Angst haben, meint Domschitz. Als Vergleich zog er das Freihandelsabkommen CETA heran: Die Importe aus Kanada seien nach dem Abschluss im Jahr 2017 bis 2024 von rund 12,9 Mio. Euro auf 20,75 Mio. Euro gestiegen und damit nicht rasant nach oben gegangen. Außerdem verwies er auf die im Rahmen des Abkommens vereinbarten Import-Kontingente für Fleischerzeugnisse und weitere Schutzklauseln für Landwirte. Dem Handelsabkommen stehe er daher “vorsichtig positiv” gegenüber, so Domschitz, der durchaus auch Chancen für Österreichs Agrar-Exporteure sieht.
Für AMA-Marketing-Chefin Christina Mutenthaler-Sipek ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch kein großes Thema: Bisher seien keine Anfragen österreichischer Betriebe eingegangen. Sollten diese in Zukunft Interesse an verstärkten Exporten nach Südamerika äußern, werde man die Betriebe freilich bei der Vermarktung unterstützen, so Mutenthaler-Sipek im Vorfeld der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Wichtig sei auf der anderen Seite eine klare Kennzeichnung der Herkunft bzw. eine weitere Stärkung des AMA-Gütesiegels – mit dem Mercosur-Pakt müssten die österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten umso mehr genau informiert sein, woher die gekauften Produkte stammen, argumentierte sie.
Handelspakt vor Unterzeichnung
Das Handelsabkommen war jüngst gegen die Vorbehalte und den lauten Protest großer Teile der Landwirte in der EU beschlossen worden, die unter anderem Druck durch billige Importe aus Südamerika befürchten. Am Samstag will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Handelsabkommen offiziell in Paraguay unterzeichnen. Damit der Handelsdeal in Kraft tritt, muss noch das EU-Parlament zustimmen.
Agrarischer Lebensmittel-Außenhandel leicht rückläufig
Generell hat sich der Lebensmittelaußenhandel in den ersten drei Quartalen 2025 leicht rückläufig entwickelt. Die Ausfuhrmenge verringerte sich um 3,7 Prozent auf 7,8 Millionen Tonnen, die Einfuhren gingen um gut 1,8 Prozent auf 8,07 Mio. Tonnen zurück. Der Wert der Exporte stieg um 3,2 Prozent auf 13,04 Mrd. Euro, bei den Importen gab es ein Plus von 7,6 Prozent auf 14,95 Mrd. Euro, so die AMA-Marketing mit Verweis auf Daten der Statistik Austria.
Die agrarische Außenhandelsbilanz fiel sohin mit einer Differenz von minus 1,9 Mrd. Euro deutlich negativ aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die Differenz im betrachteten Zeitraum noch minus 1,2 Mrd. Euro betragen. Mutenthaler-Sipek zog dennoch ein positives Resümee, falle die agrarische Bilanz doch traditionell in den negativen Bereich. Besonders erfreulich habe sich der Handel mit dem wichtigsten Exportpartner Deutschland entwickelt: Hier legten die Ausfuhren wertmäßig um 3,3 Prozent zu und knackten damit die Marke von 5 Milliarden Euro.
Die Daten der AMA beziehen sich auf Produkte der Zollkapitel 1 bis 24. Die Kapitel 1 bis 15 sind landwirtschaftsnah. Die restlichen Kapitel sind verarbeitete Produkte der Lebensmittelindustrie.