Marinomed erneut insolvent – Sanierungsverfahren beantragt
Die niederösterreichische Marinomed Biotech AG ist erneut insolvent und hat beim Landesgericht Korneuburg die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. Die Schulden würden sich auf rund 27,9 Mio. Euro belaufen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Gläubigerschützer beziffern die unbesicherten Verbindlichkeiten auf 22 Mio. bis 23 Mio. Euro. Knapp 90 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen.
Marinomed beschäftigt rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Korneuburg. Im Vorjahr betrug der Umsatz rund 7,7 Mio. Euro. Vergangenen Donnerstag hatte die Pharmafirma bereits angekündigt, ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu beantragen. Der Aktienkurs brach daraufhin von 9,0 Euro auf 3,8 Euro ein und erholte sich dann wieder auf zuletzt 6,0 Euro. Der Börsenwert (Marktkapitalisierung) der Pharmafirma belief sich auf 12 Mio. Euro.
Marinomed wartet auf “Earn-out-Zahlungen” von Unither
Anlass für das Insolvenzverfahren sind laut Unternehmensangaben fehlende “Earn-out-Zahlungen” des französischen Pharmaunternehmens Unither aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäftsbereichs und der Abbruch von Verhandlungen durch Unither. Damit könne der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan aus dem November 2024 nicht erfüllt werden, erklärte das niederösterreichische Pharmaunternehmen. Das Carragelose-Geschäft von Marinomed wurde im Wege eines Asset-Deals verkauft und im Februar 2025 übertragen. Der Kaufpreis für das Carragelose-Geschäft bestand aus einem fixen Kaufpreisteil in Höhe von 5 Mio. Euro sowie an Bedingungen geknüpfte “Earn-Outs”. Die “Earn-Out”-Zahlungen waren für Marinomed nach eigenen Angaben von “zentraler Bedeutung”, weil dadurch der Sanierungsplan zu einem Großteil finanziert werden sollte. Bis zum heutigen Tag seien keine der vereinbarten Zahlungen eingegangen.
Marinomed bietet seinen Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans, an. “Der noch zu bestellende Insolvenzverwalter wird die Fortführung des Unternehmens sowie die Angemessenheit und Erfüllbarkeit des Sanierungsplans zu prüfen haben”, so Gläubigerschützer Alexander Greifeneder vom KSV 1870 am Mittwoch in einer Aussendung. Marinomed verfüge insbesondere über geistiges Eigentum in Form von Patenten und Marken sowie über eine Betriebsliegenschaft in Korneuburg, hieß es vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV).
Marinomed im Jahr 2006 als Spin-off gegründet, 2019 Börsengang
Das biopharmazeutische Unternehmen wurde im Jahr 2006 als Spin-off der Veterinärmedizinischen Universität Wien gegründet. Die Marinomed ging Anfang 2019 an die Wiener Börse.