Marokko ringt Kanada nieder und steht im WM-Viertelfinale
Marokko hat als erste Mannschaft den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-WM geschafft. Der Afrika-Cup-Sieger rang Co-Gastgeber Kanada am Samstag in einer lange offenen, intensiven Partie 3:0 (0:0) nieder. Azzedine Ounahi schoss die Marokkaner in Houston in der 50. und 82. Minute auf Aufstiegskurs, Soufiane Rahimi (98.) setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. In der Runde der besten acht trifft der WM-Vierte von 2022 am 9. Juli in Boston auf Frankreich oder Paraguay.
Marokkos Erfolg zeichnete sich vor 68.777 Zuschauern zunächst nicht ab. Der Co-Gastgeber startete ohne den wieder auf der Bank sitzenden Alphonso Davies energiegeladen ins erste Achtelfinale des Turniers. Das geradlinige Spiel der Mannschaft von Trainer Jesse Marsch brachte die Marokkaner ins Wanken. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld machte Tani Oluwaseyi in der 10. Minute alles richtig, scheiterte aber an der Fußabwehr von Yassine Bono. Der in Kanada geborene Torhüter sollte mehr zu tun haben als sein Gegenüber. Kanada unterband die Vorstöße von Marokkos Kapitän Achraf Hakimi fast gänzlich, auch Brahim Diaz nahm kaum am Spiel teil.
Saibari muss vom Feld
Die im Achtelfinale im Elferkrimi gegen die Niederlande erfolgreich gebliebenen Nordafrikaner brachten keine zusammenhängende Offensivaktion zustande und verloren auch Mittelstürmer Ismael Saibari. Der künftige Bayern-Profi – bisher dreifacher WM-Torschütze – musste nach 20 Minuten angeschlagen vom Rasen. Schon vor der Partie hatte Trainer Mohamed Ouahbi seinen Innenverteidiger Chadi Riad aufgrund einer Knieverletzung vorgeben müssen. In einem Spiel mit hart geführten Zweikämpfen teilte Schiedsrichter Michael Oliver bis zum Pausenpfiff sechs Gelbe Karten aus. Chancen gab es kaum: Beide Teams brachten in Summe nur drei Torschüsse in 45 Minuten zustande.
Kanada wollte das Tempo halten, das Tor schoss aus einer Standardsituation aber Marokko. Hakimi legte per Freistoß auf den vor dem Strafraum lauernden Ounahi ab, der ohne Gegenwehr platziert abschloss. Den Marokkanern gab die Führung mehr Sicherheit, sie steigerten sich. Kanada musste mehr Risiko nehmen, war bei Gegenstößen aber umso anfälliger.
Ounahi wird zum Matchwinner
Die Marsch-Elf wollte eine Schlussoffensive lancieren. Jonathan David setzte einen Freistoß aus guter Position deutlich über das Gehäuse (78.), einen Fernschuss von Tajon Buchanan entschärfte Bono (79.). Den neuerlichen Elan der Kanadier bremsten die Marokkaner mit dem 2:0 ein. Diaz fand im Konter Ounahi und der Offensivmann von Girona agierte vor dem Tor neuerlich souverän. Rahimi hätte fast umgehend das 3:0 nachgelegt, der Saibari-Ersatzmann traf per Kopf die Latte.
Kanada gab sich nicht auf und warf in der Nachspielzeit sogar Torhüter Maxime Crepeau nach vorne. Die Tore schoss aber nur der Gegner, Rahimi vollendete einen weiteren Gegenstoß. Als erster Gastgeber mussten die “Ahornblätter” die Segel streichen. “Wir haben gelitten”, gestand Ouahbi. Seine Mannschaft habe sich nach der Pause aber “beeindruckend” reingehängt. “Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt wie Kanada, weiß man, dass es schwierige Momente geben wird. Wenn man weit kommen will, muss man auch mit solchen Momenten umgehen können.”
Marsch war auch ob der hohen Niederlage enttäuscht: “Wir waren das bessere Team”, betonte der ehemalige Salzburg-Coach. “In Bezug auf den Matchplan, den Glauben an uns selbst und den Versuch, eine Top-Mannschaft ans Limit zu bringen, waren wir viel besser in der ersten Halbzeit und auch zu Beginn der zweiten.” Ein Spielzug habe den Unterschied ausgemacht, so der Amerikaner. In den ersten 45 Minuten habe er bei Kanada “elf unglaubliche Leistungen gesehen. Es war unglücklich, dass wir nicht in Führung waren. Und dann geht es um die feinen Details”.