Mehr Umsatz mit Fruchtsäften bei gesunkenem Absatz

19.04.2026 • 06:00 Uhr
Mehr Umsatz mit Fruchtsäften bei gesunkenem Absatz

Ist man in Supermärkten länger nicht mehr an Saftregalen vorbeigekommen und will doch wieder einmal zugreifen, kann man aufgrund der Preisentwicklung durchaus ins Staunen geraten. Die Steigerung wird von der Nahrungsmittelindustrie gegenüber der APA mit stark gestiegenen Rohwarenpreisen etwa bei Orangen sowie hohen Energie- und Lohnkosten erklärt. Der Mengenabsatz ist zuletzt deutlich gesunken, der Umsatz aber gestiegen. Auch neue Konsumentengewohnheiten spielen eine Rolle.

Die Statistik des Fruchtsaftverbands (Basis sind von Mitgliedsbetrieben gemeldete Produktionsdaten) zeigt, dass der Markt für Säfte, Nektare, fruchthaltige Getränke und gespritzte Saftprodukte im Jahr 2025 deutlich unter Druck geraten ist. Mit einem Rückgang von 12 Prozent gegenüber 2024 verlor der Markt über alle Produktgruppen hinweg spürbar an Volumen.

Deutlich mehr Umsatz bei deutlich weniger Absatz

Geht man im zehnjährigen Vergleich sowohl bei Absatz und Umsatz fürs Jahr 2016 vom Wert 100 aus, so lag der Umsatz 2025 bei 132, der Absatz allerdings lediglich bei 76. Das zeigt eine starke Auseinanderentwicklung im heimischen Markt – erkennbar weniger Absatz, erkennbar mehr Umsatz.

“Der Fruchtsaftmarkt hat sich inhaltlich massiv weiterentwickelt: weg vom Standard, hin zu Differenzierung, Innovation und Mehrwert”, heißt es von den Herstellern zur APA. Beim Export, der für einige heimische Erzeuger besonders wichtig ist, geht die Schere nicht ganz so deutlich auseinander.

Die Saftfirmen setzten auf eine “bewusste Aufwertung”, denn Fruchtsaft werde zunehmend als Premiumprodukt wahrgenommen. Das führe zu stabilem Wertwachstum, trotz geringerer Mengen. Das Segment Fruchtsaft, also Getränke mit 100-prozentigem Fruchtanteil, ist mit einem Anteil von 45 Prozent das größte. Das Segment Nektar (je nach Obstsorte 25 bis 50 Prozent Fruchtanteil) ist mit 18 Prozent das zweitgrößte.

Kleinere Haushalte, kleinere Gebinde

“Kleinere Haushalte und weniger Kinder ergeben insgesamt einen geringeren Getränkeverbrauch”, heißt es vom Fruchtsaftverband weiters zum sinkenden Absatz. Frühstück zu Hause als ein wichtiger Konsumanlass sei heutzutage “eher die Ausnahme als die Regel – konsumiert wird schneller, flexibler, unterwegs. Kleine Gebinde dominieren, die 2-Liter Packungen sind weniger geworden.”

Auf der anderen Seite sei die Sortenvielfalt in den vergangenen Jahren gestiegen. Der klassische Apfel- und Orangensaft wird durch viele unterschiedliche, teils exotische, Früchte ergänzt.

Thema Ernährungsphysiologie

Ernährungsphysiologisch spielt auch die Zuckerdiskussion beim Mengenrückgang eine Rolle. Obwohl Fruchtsaft keinen zugesetzten Zucker enthält, “ist er zu Unrecht in die Diskussion geraten”, so die Hersteller.