Messungen auf Pasterze deuten auf negatives Rekordjahr hin

Anlässlich der derzeit stattfindenden Messungen auf Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, befürchten Forscher bereits vor der Auswertung aller Daten ein negatives Rekordjahr. “Wir haben Rückgänge gemessen, die hatten wir auf dieser Höhe überhaupt noch nie”, sagte Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) am Donnerstag vor Journalisten. Aufgeschoben sein dürfte aber vorerst das Abbrechen der “Eisversorgung” der Pasterze.
In den vergangenen Tagen waren die Vermesser im Großglocknergebiet auf einer Höhe von 2.500 bis 3.000 Metern unterwegs und haben gemessen, wie sich die Höhe der Gletscher ändert. “Wir haben hier ein Minus von bis zu vier Metern gemessen, das hatten wir auf dieser Höhe überhaupt noch nicht”, erklärte Kellerer-Pirklbauer bei einer Pressekonferenz direkt oberhalb der Pasterze.
Im unteren Bereich, auf der Gletscherzunge, falle der Höhenverlust noch viel drastischer aus: “An einzelnen Punkten waren es bis zu zehn Meter. Voriges Jahr waren es acht Meter, das war schon sehr schlecht.” Man müsse die Messungen nun genau auswerten, “aber die ersten Eindrücke belegen: Es war ein schlechter Sommer, ein schlechtes Jahr”, so Kellerer-Pirklbauer.
Gewaltige Eismasse geschmolzen
Auch was die Masse angeht, spreche man allein auf der Gletscherzunge von einer gewaltigen Menge, so Kellerer-Pirklbauer: “Wenn man das verlorene Eis zu einem Würfel formen würde, hätte der eine Kantenlänge von 220, 230 Metern. Zum Vergleich: Der Donauturm ist 245 Meter hoch.”
Bei der Länge der Pasterze wurde im Jahr 2022/23 ein Rückzug von 203 Metern gemessen, der bisherige Rekordwert. Und zwar mit Abstand: “Die größten Werte davor waren 90 und 80 Meter.” Im vergangenen Jahr waren es mit 55 Metern zwar vergleichsweise wenig: “Aber das war immer noch der achthöchste Wert”, so der Vermesser. Und der Trend ist eindeutig: “Das Jahr 2003 war einmal ein Ausreißer – aber seit 2010 kommen die Rekordwerte daher”, so Kellerer-Pirklbauer.
Bruch aufgeschoben
Was – vielleicht nur kurz – aufgeschoben sein dürfte, ist allerdings der Abbruch der Eisversorgung der Pasterze durch den Wegfall des Hufeisenbruchs. Wie Michael Avian von der GeoSphere Austria sagte, sei diese kleine Verbindung etwa 70 Meter breit. “Was man auch von den automatischen Kameras aus sieht: Vom oberen Teil her kommt Bewegung.” Das bedeute, dass es heuer sicher keinen Bruch geben wird, eventuell aber im kommenden Jahr. Das liege aber nur an der Schwerkraft, was dazu führt, dass mehr Eis nachgeschoben wird. “Es ist einfach nur eine kleine Nabelschnur”, so Avian.
Und auch dieser Eisvorrat, der von oben nachschiebt, ist irgendwann einmal aufgebraucht, ergänzte Kellerer-Pirklbauer: “Genau in diesem Bereich haben wir ja die Rekordwerte an Rückgängen verzeichnet. Da gibt es einen massiven Massenverlust, die Eisreserven schmelzen massiv.”
Mehrere Pasterzen-Zungen
Damit sich die Gletscher in Österreich stabilisieren, müsste man eine Zeitreise unternehmen, sagte Kellerer-Pirklbauer: “Und zwar in die 1960er- oder 70er-Jahre. Die letzte gute Zeit für Gletscher in Österreich, wenn auch nicht für die Pasterze. Da hat es den letzten Vorstoß überhaupt schon in den 1930er-Jahren gegeben.”
Wenn die Entwicklung so weitergeht, werde es überhaupt bald mehrere Gletscherzungen geben, sind sich die Forscher einig: Eventuell könnte man sie dann in eine nördliche, eine südliche und eine Toteis-Pasterze unterteilen. Wann es so weit ist, lässt sich nicht sagen – fix ist nur, dass das bald sein wird.