Moderate Töne von Asiens Verbandschef in Infantino-Causa

08.10.2026 • 22:13 Uhr

Die klare Front gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino in Asien scheint zu bröckeln. Nachdem sich mehrere arabische Verbände im Machtkampf auf die Seite des umstrittenen Chefs des Fußball-Weltverbands gestellt hatten, schlägt auch der Präsident des asiatischen Verbands (AFC) moderatere Töne an. Es gehe im angestrebten Reformprozess nicht um eine grundlegende Neugestaltung des FIFA-Governance-Systems, ist in einem Brief von Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa zu lesen.

Der FIFA-Vizepräsident adressierte diesen nicht nur an Infantino, er ging auch an die weiteren Chefs der Konföderationen. Es müsse vielmehr geprüft werden, ob die bestehenden Governance-Strukturen der FIFA gestärkt werden können. Dafür schlägt er eine interne Arbeitsgruppe vor. Über den Brief berichteten mehrere Medien.

Arabische Verbände und Afrika unterstützen Infantino

Vor zwei Monaten hatte der Top-Funktionär aus Bahrain Infantino noch in einem gemeinsamen Schreiben mit den Chefs der Kontinentalverbände aus Europa (UEFA) und Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) scharf attackiert. Dies hatte unter anderem für Kritik aus Katar gesorgt. Diese Woche hatten 22 arabische Verbände, darunter zwölf aus Asien, ihre Unterstützung für Infantino erklärt.

Am Donnerstag erklärten auch die afrikanischen Verbände, dass sie uneingeschränkt hinter Infantino stehen. Patrice Motsepe, Präsident des Kontinentalverbands CAF, verkündete bei einer Konferenz in Sal auf Kap Verde, dass alle 54 Mitgliedsverbände den Amtsinhaber “einstimmig und uneingeschränkt unterstützen”. Dabei hatten sich die Verbandsvertreter auf einer Bühne um Infantino geschart und applaudierten gemeinsam. Der FIFA-Chef bedankte sich via Instagram für einen “wunderschönen Moment der Einheit”.

Infantino kämpft seit gescheitertem Investoren-Projekt

Infantino war nach einem letztlich gescheiterten Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck geraten. Auch sein Führungsstil wird von Teilen der Fußball-Welt scharf kritisiert. Er hatte darauf zuletzt reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der FIFA angeboten. Darauf nimmt Al Khalifa nun Bezug und wirkt zu einer Zusammenarbeit mit Infantino daran bereit.

Der 56-jährige Infantino führt den Weltverband seit 2016 an, beim nächsten FIFA-Kongress im März 2027 im marokkanischen Rabat strebt er die Wiederwahl für eine vierte Amtszeit an. Dafür hatten ihm vor allem Verbände aus Europa das Vertrauen entzogen. Die UEFA-Spitze sowie die Präsidenten und Generalsekretäre der 55 UEFA-Mitgliedsverbände wollten am Donnerstag bei einem Treffen in Berlin das weitere Vorgehen im Machtkampf im Weltfußball besprechen.