Nachwuchs bei den Rotspiegel-Amazonen in Schönbrunn

17.09.2026 • 10:38 Uhr
Nachwuchs bei den Rotspiegel-Amazonen in Schönbrunn

Im Tiergarten Schönbrunn ist bei den äußerst seltenen Rotspiegel-Amazonen heuer erstmals die natürliche Aufzucht von drei Küken durch die Elterntiere gelungen. 2011 erhielt der Tiergarten 74 Papageien-Eier, die vom Österreichischen Zoll nach einem spektakulären Schmuggelfall am Wiener Flughafen beschlagnahmt worden waren. Aus ihnen schlüpften Rotspiegel-Amazonen und Jamaika-Amazonen – darunter auch jene Vögel, die inzwischen selbst für Nachwuchs sorgen, berichtete der Zoo.

“Aus einem dramatischen Fall von illegalem Wildtierhandel ist über viele Jahre hinweg ein bedeutender Erfolg für den Artenschutz geworden. Dank der Expertise und Ausdauer unseres Pflegeteams können wir diese anspruchsvollen Papageien nicht nur erfolgreich halten, sondern nun auch nachzüchten. Dass die Rotspiegel-Amazonen heuer erstmals drei Küken selbstständig großgezogen haben, ist für uns ein besonderer Meilenstein”, erklärte Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck am Donnerstag in einer Aussendung.

Der aktuelle Nachwuchs ist den Angaben des Tiergartens zufolge europaweit von besonderer Bedeutung: Rotspiegel-Amazonen werden derzeit nur noch in einem zweiten europäischen Zoo, dem Zoo Prag, gehalten. Der Tiergarten Schönbrunn besitzt demnach das einzige Zuchtpaar und ist damit der einzige zoologische Garten Europas, dem die Nachzucht dieser seltenen Art gelungen ist.

Tiere in freier Natur stark gefährdet

In ihrer Heimat Jamaika gelten Rotspiegel-Amazonen seit 2020 als stark gefährdet. Die Art kommt ausschließlich in zwei kleinen Gebieten der Insel vor. Die wild lebende Population wird nur mehr auf maximal 15.000 Tiere geschätzt. “Rotspiegel-Amazonen erleben rapide Bestandsrückgänge. Diese werden unter anderem durch den Verlust des natürlichen Lebensraums, Prädation durch invasive Arten und die Auswirkungen des Klimawandels verursacht. Gerade bei einer Art mit einem derart kleinen Verbreitungsgebiet hat die Zerstörung des einzigen natürlichen Lebensraumes besonders schnell schwerwiegende Folgen”, wurde Eveline Dungl, zoologische Abteilungsleiterin im Tiergarten Schönbrunn, zitiert.

Umso wichtiger sei eine stabile Reservepopulation dieser Papageien in menschlicher Obhut. Gleichzeitig sind Amazonen laut Tiergarten Schönbrunn äußerst sensible Tiere, deren Haltung viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert. Besonders hervorgehoben wurde vonseiten des Zoos das langjährige Engagement der Teamleiterin Petra Stefan, die diese Vögel seit der Beschlagnahme der Eier vor 15 Jahren begleitet und entscheidend zu diesem Meilenstein beigetragen habe.

Und der Artenschutzerfolg setzt sich fort: Neben den drei jungen Rotspiegel-Amazonen wachsen derzeit auch vier Küken der gefährdeten Jamaika-Amazonen im Tiergarten heran. Die erfreuliche Entwicklung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der illegale Wildtierhandel eine ernst zu nehmende Bedrohung für Amazonen und zahlreiche andere Tiere darstelle, betonte der Tiergarten Schönbrunn.