Nepal bittet nach Sturzflut um gezielte ausländische Hilfe

29.08.2026 • 06:36 Uhr

Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesopfer in Nepal auf mehr als 600 gestiegen. Wie die Polizei mitteilte, wurden bisher mindestens 616 Leichen geborgen. Zusammen mit den sieben in China gemeldeten Toten liegt die Gesamtzahl damit bei 623. Nepal bat indes um gezielte ausländische Hilfe, jedoch nicht bei den allgemeinen Such- und Rettungsarbeiten.

Einige Tausend Menschen konnten laut Angaben der nepalesischen Behörden bereits gerettet werden. Allerdings werden in Tibet und Nepal zusammengenommen noch mehr als 2.500 Menschen vermisst, darunter auch ausländische Touristen.

Spezialisierte Hilfe für Tunnel benötigt

Nepal bat um gezielte ausländische Hilfe, jedoch nicht bei den allgemeinen Such-und Rettungsarbeiten, sagte Außenminister Shisir Khanal am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Khanal zufolge benötigt Kathmandu spezialisierte ausländische Hilfe, etwa bei der Bergung von in Tunneln eingeschlossenen Menschen, der Wiederherstellung von Verkehrsverbindungen sowie bei der Identifizierung und Aufbewahrung der Toten. Man habe die Nachbarländer Indien und China bereits um Behelfsbrücken gebeten.

Khanal präzisierte damit eine frühere Aussage seines Ministeriums vom Freitag, wonach Nepal die Rettungsarbeiten allein bewältigen könne. Für die allgemeinen Such- und Rettungsarbeiten, die von nepalesischen Kräften geleistet würden, sei keine weitere Hilfe nötig, sagte Khanal.

Schlamm erschwert Suchaktionen

Die Armee in Nepal hat zuletzt die Such- und Rettungsaktionen intensiviert, stößt aber weiter auf große Probleme. “Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle”, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.

Derzeit sind laut Basnet unter anderem 14 Rettungshubschrauber in der Region im Einsatz. Als eine weitere Hürde nannte der Sprecher bestehende Tunnel im Gebirge, in denen Menschen festsaßen. Am Freitagmorgen (Ortszeit) seien nur vier Personen aus den Tunneln gerettet worden. Vermutlich befänden sich in ihnen noch zahlreiche Menschen. 

Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften nach wie vor ein See, der sich als Folge der Sturzflut oberhalb von Gyirong neu angestaut hat. Sollte das Wasser den Damm aus Geröll und Schlamm durchbrechen, könnte eine weitere Flut das Tal hinunter schießen. Der Leiter eines Erkundungsteams, das dort Mess- und Überwachungsgeräte aufstellte, beruhigt allerdings: Weil das Wasser aus dem See bereits natürlich abfließe, habe sich die Gefahr deutlich verringert, zitierte das chinesische Staatsfernsehen Chen Hanxiao.