Neuer Diskursraum für Mode im Geymüllerschlössel des MAK

06.05.2022 • 12:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neuer Diskursraum für Mode im Geymüllerschlössel des MAK

Handtaschen aus dem 3D-Drucker? Geht. Aber Kleider? Geht auch. Das demonstriert ab morgen, Samstag, eine Ausstellung in der MAK-Außenstelle im Geymüllerschlössl, wo die Architektin und Modedesignerin Julia Koerner den Auftakt zu einer neuen Reihe bestreitet: Mit dem “(Con)temporary Fashion Showcase” will MAK-Direktorin Lilli Hollein einen Diskursort für aktuelles Modedesign etablieren, der heuer mit drei Ausstellungen aufwartet.

Geplant ist ein Forum zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Modethemen, das sowohl Modeexperten als auch Publikum gleichermaßen ansprechen soll. Dabei spielt die Verschränkung des historischen Ambientes des ehemaligen Lustgebäudes mit experimentellen Ansätzen ein ganz besonderes Setting, wie Hollein am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz erläuterte. “Es ist klar, dass die Modeszene in Österreich mehr Aufmerksamkeit braucht und den Diskurs auch sucht”, ist die seit Herbst amtierende Direktorin des Museums für angewandte Kunst überzeugt. Bis 4. Dezember stehen drei temporäre Einzelausstellungen im Zentrum, wobei die 3D-Designerin Koerner (bis 5. Juni) den Anfang macht. Begleitend stehen Performances, Talks, Workshops und Buchpräsentationen sowie Pop-up-Märkte auf dem Programm – geöffnet hat die Ausstellung immer samstags und sonntags.

Julia Koerner präsentiert eine Reihe von im 3D-Druck-Verfahren produzierte und auf die farbliche Gestaltung des Kuppelsaals abgestimmte Handtaschen auf eigens gefertigten Podesten ihres Labels JK3D sowie drei extravagante Kleider mit Titeln wie “Venus Dress”, “Arid Dress” oder “Setae Jacket”, die in ihren organischen Mustern und teils schillernden Farben an Vorbilder aus der Natur erinnern sollen, wie die Künstlerin erläuterte. Die Absolventin der Universität für angewandte Kunst Wien wurde vor allem mit ihren Kostümen für die Marvel-Comic-Verfilmung “Black Panther” sowie durch die Zusammenarbeit mit luxuriösen Modelabels wie etwa Iris van Herpen bekannt.

Bei einem Talk (Samstag, 18 Uhr) gibt Koerner im Gespräch mit Kuratorin Lara Steinhäußer Einblicke in Design- und Produktionsprozesse, die im Zuge der Schau auch live mitverfolgt werden können. Am Sonntag folgt ein international besetzter Talk zum Thema “Does the Museum need Fashion or does Fashion need the Museum?”, bei dem u.a. Kaat Debo vom Fashion Museum Antwerpen und Camille Boyer von der Austrian Fashion Association zu Gast sind. Bei Schönwetter findet im Schlosspark ein Pop-up-Markt mit österreichischen Designerinnen sowie ein Kinderworkshop mit dem Kollektiv “un-tragbar” zum Thema nachhaltige Kleidung statt.

Als zweite Position folgt ab 11. Juni eine Ausstellung von Susanne Bisovsky. “Unbeirrt von Trends arbeitet die Modeschöpferin seit drei Dekaden an einem scheinbar aus der Zeit gefallenen Bild einer ‘schönen Wienerin’ und verdeutlicht damit ihren Zugang zu Mode: zeitloser, unabhängiger ‘Wiener Chic’ in sicherer Distanz zum Mainstream”, wie es in der Ankündigung heißt. Die dritte Ausstellung präsentiert Jojo Gronostay (ab 3. September): In seiner Videoinstallation beschäftigt er sich mit den “Sapeurs” – Designeranzug-tragenden Männern und Frauen in Brazzaville (Republik Kongo), die ihre Kleidung mit religiösen Elementen verknüpfen und choreografiert im öffentlichen Raum zur Schau stellen. “Die Szene soll sich diesen Ort aneignen”, zeigte sich Hollein hoffnungsfroh, mit “(Con)temporary Fashion Showcase” neue Impulse setzen zu können.

(S E R V I C E – “(Con)temporary Fashion Showcase” im Geymüllerschlössl des MAK, 7. Mai bis 4. Dezember, jeweils samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Infos unter )