Neuer Lyrikpreis geht an Esther Kinsky und Ann Cotten

Die Deutsche Esther Kinsky und die Österreicherin Ann Cotten sind die ersten Preisträgerinnen des neuen Deutsch-Österreichischen Lyrikpreises. Sie erhalten den mit je 15.000 Euro dotierten Preis, der zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann initiiert wurde, für ihre aktuellen Lyrikbände. Die Überreichung am 25. November, dem Eröffnungstag der Buch Wien, wird vom deutschen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) vorgenommen.
“Esther Kinskys Gedichtband ‘Heim.Statt’ benennt schon in seinem Titel das Spannungsfeld zwischen Behaustheit und Ortlosigkeit. Sieben mehrstimmige Langgedichte übersetzen Zustände der Entwurzelung und Randständigkeit in eine raue, eigensinnige poetische Sprache. Was es bedeutet, mit Zugehörigkeits- und Sprachverlust umzugehen, erkundet die 1956 geborene Autorin und Übersetzerin virtuos. In ihrem Durchmessen verschiedener Sprachräume steht sie in der Tradition ihrer Vorgängerin Ingeborg Bachmann”, begründete die Jury ihre Entscheidung.
“Eigensinn und visionäres Gespür”
Ann Cottens “Poller. Idyllen” sei “ein Buch, in dem sie den antiken Begriff der Idylle mit Klugheit, Witz und Bravour ernstnimmt und zugleich unterläuft. Die 1982 in Ames, Iowa, geborene Autorin hat den Band selbst illustriert, auf jeder Seite steht oben das Gedicht, während sich unter dem Strich ein recycelter Prosatext als botanisches Substrat verteilt”, so die Jury weiter. “Als Übersetzerin, Japan-Enthusiastin und Vergnügungsreisende durch die Literaturgeschichte bewegt Ann Cotten sich mit spielerischer Neugier zwischen den Zeiten und Kulturen und führt vor, wie eine Lyrik aussieht, die Zeitgenossenschaft mit Eigensinn und visionärem Gespür vereint.”
Zum Preis gehört auch die Teilnahme an Übersetzungswerkstätten am Literarischen Colloquium Berlin und Österreichische Gesellschaft für Literatur. Dort sollen sich die Preisträgerinnen gemeinsam mit Literaturübersetzerinnen und -übersetzern “insbesondere mit Sprachen und Werken, die für Ingeborg Bachmann von besonderer Bedeutung waren”, beschäftigen. “Gerade in Zeiten globaler technischer Veränderungen und den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz müssen wir uns mit voller Kraft für den Erhalt unserer Sprache und den kreativen Gestaltungsgeist unserer Künstlerinnen und Künstler und insbesondere von Literaturschaffenden einsetzen”, ließ dazu Schellhorn am Dienstag in einer Aussendung wissen.