Neues Buch kritisiert “Das Große Salzburger Affentheater”

27.07.2026 • 05:25 Uhr
Neues Buch kritisiert "Das Große Salzburger Affentheater"

“Wir haben es uns gemütlich gemacht in der Beschäftigung mit unseren Luxusproblemen”, kritisierte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) am Sonntag bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele in ihrer Begrüßungsrede. “Wir üben uns in der Empörung und feuern die Debatte über die wirklichen und die angeblichen Ungeheuerlichkeiten von Politik und Gesellschaft an.” Wenige dürften die Ohren dabei so gespitzt haben wie der ehemalige Klangforum Wien-Intendant Sven Hartberger.

In einem rechtzeitig zur Festspieleröffnung erschienenen, schmalen Buch versucht Hartberger, die Gründe für die beispiellosen Vorgänge des Winters und Frühjahrs, die in der Trennung von Intendant Markus Hinterhäuser kulminiert haben, ausfindig zu machen. Und er kommt zu dem Schluss: “Es sind die gekränkten Eitelkeiten nicht eben übermäßig bedeutender Funktionäre, für die die Festspiele bluten müssen. Mediokre Amtsträger treffen auf Grund vollkommen sachfremder Motive weitreichende Entscheidungen zum Schaden der Festspiele.”

Detaillierte Nachzeichnung der Vorgänge

“Das Salzburger Große Affentheater. Vom Ende der Ära Markus Hinterhäuser” nennt Hartberger sein inklusive Dokumentenanhang 96-seitiges Buch und verwendet dabei den Titel eines Kommentars, den er am 17. Februar in “Die Presse” veröffentlicht hat. Schon damals sah er “ein beschämendes Spektakel, das ausschließlich vom Kuratorium verschuldet ist”, und warf der Kuratoriumsvorsitzenden Edtstadler und dem ebenfalls im Kuratorium sitzenden Salzburger Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) vor, “als Elefanten durch den Porzellanladen” zu trampeln.

Die Ereignisse haben sich, wie man weiß, danach weiter zugespitzt. Hartberger, den “eine rund fünfundzwanzigjährige, durchaus wechselhafte und keineswegs immer friktionsfreie Arbeitsbeziehung” mit Hinterhäuser verbindet, schildert die Vorgänge und kritisiert sie in scharfen Worten. Er schildert detailliert die wechselnden Argumentationen des Kuratoriums, dessen seiner Ansicht nach klare Kompetenzüberschreitung und schließlich die Abwehr jeglichen Begehrs nach Aufklärung und Bezifferung der finanziellen Auswirkungen.

“Intrige, Denunziation und Ehrabschneiderei”

Über den eigentlichen Anlassfall hinaus zählt Hartberger “die eigentlichen Themen des Buches” auf: “Intrige, Denunziation und Ehrabschneiderei als gezielt eingesetzte Mittel der Politik; Machtmissbrauch zur Befriedigung gekränkter Eitelkeiten; Täuschung und Irreführung der Öffentlichkeit durch politische Amtsträger; Verweigerung der gesetzlich gebotenen Information über die Gestion rechenschaftspflichtiger Einrichtungen der Republik; Vertuschung der Folgen des eigenen politischen Handelns; und nicht zuletzt: der Übermut der Ämter, die unerträgliche Überheblichkeit, mit der mediokre Funktionäre dem Publikum, den KünstlerInnen, der Öffentlichkeit insgesamt und jeder Form von Kritik begegnen, die zu üben sie irrtümlich für ein exklusives Vorrecht ihrer Stellung halten, welches das gemeine Volk sich nicht anzumaßen hat.”

Starke Worte, die auch eine persönliche Vorgeschichte haben, wie der 1958 geborene Wiener, der Mitbegründer und Intendant des Wiener Operntheaters und zwei Jahrzehnte lang künstlerischer Leiter des Klangforum Wien war, beschreibt: “Ich bin im Februar von einer Gruppe von KünstlerInnen, die über die Vorgangsweise von Edtstadler und Auinger entsetzt und empört waren, mit dem Anliegen kontaktiert worden, an der Artikulation und Verbreitung ihres Protests mitzuwirken. (…) Denselben Dienst habe ich den fünfzig FestspielkünstlerInnen erwiesen, die sich am 7. April mit einem offenen Brief an Edtstadler und Auinger gewandt haben. Auf beide Schreiben haben Edtstadler und Auinger in herablassender und überheblicher Art und Weise reagiert. Ich akzeptiere ein solches Benehmen von politischen Amtsträgern nicht.”

Buch soll im Festspielshop erhältlich sein

Auch er selbst empfinde “die Vorgangsweise von Edtstadler und Auinger als verantwortungslos, grob fahrlässig, unehrlich und für die Festspiele schädlich”. Am Ende seines Buches druckt Hartberger sein mehrseitiges Schreiben an den Rechnungshof ab, in dem er eine Sonderprüfung des Salzburger Festspielfonds anregt, um wenigstens solcherart Licht ins Dunkel der Vorgänge und ihrer Folgen zu bringen.

Bei der offiziellen Eröffnung der Salzburger Festspiele kamen übrigens weder Festspielpräsidentin Kristina Hammer noch Intendantin Karin Bergmann zu Wort. Edtstadler, die über jenen Menschen, der das Festspielprogramm dieses Jahres geplant hatte, nämlich Markus Hinterhäuser, kein Wort verlor, dankte in ihrer Rede Karin Bergmann, die “in einer nicht einfachen Zeit” die Leitung übernommen habe. Bergmann hat im Ö1-“Journal zu Gast” versichert, sie könne “vollkommen verstehen”, dass Hartberger die Aufklärung der Vorgänge ein Anliegen sei. Seine Schrift werde auch im Festspielshop zu erstehen sein.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E – Sven Hartberger: “Das Große Salzburger Affentheater”, Verlag Tres Mundos, 96 Seiten, 18 Euro)