ÖAMTC-Flugrettung flog schon eine halbe Million Einsätze

Seit Juli 1983 hebt die ÖAMTC-Flugrettung zur Notfallversorgung von Verunglückten oder akut Erkrankten ab. Aus bescheidenen Anfängen – von den beiden ersten Standorten in Innsbruck und Krems wurden im allerersten Jahr 191 Einsätze geflogen – wurden bis zu 22.000 Einsätze pro Jahr mit einer 32 Fluggeräte starken Flotte. Am 14. Mai 2026 wurde nunmehr die 500.000. Alarmierung bewältigt, berichtete die Geschäftsführung der ÖAMTC-Flugrettung am Mittwoch vor Journalisten in Wien.
Absolviert wurde der Jubiläumseinsatz von “Christophorus 18”: Der seit Jänner 2025 in Frauenkirchen stationierte Notarzthubschrauber hob zu einem neurologischen Notfall im Nordburgenland ab, der Patient wurde nach erfolgreicher Erstversorgung ins AKH Wien geflogen.
Das Einsatzbild hat sich über die Jahre verändert: Ins Leben gerufen worden war die “Christophorus”-Flotte, um schnelle Hilfe bei schweren Verkehrsunfällen zu leisten. Heute machen neurologische und internistische Notfälle fast die Hälfte der Einsätze aus. Gerade bei Schlaganfall und Herzinfarkt mache die schnelle Versorgung den Unterschied, betonte Geschäftsführer Marco Trefanitz. Geringere Folgekosten durch weniger oder vermiedene Langzeitschäden wirkten sich auch volkswirtschaftlich aus: “Für jeden Euro, der in die Flugrettung investiert wird, ergibt sich ein Nutzen von rund zehn bis zwölf Euro.”
24 Stützpunkte österreichweit, weitere folgen
Mittlerweile betreibt die ÖAMTC-Flugrettung 24 Stützpunkte, darunter vier saisonale Basen und einen Intensivtransporthubschrauber. Geflogen wird von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang sowie an den Standorten in Krems, Niederöblarn und St. Michael im 24-Stunden-Betrieb. Heuer kommt noch ein 24/7-Stützpunkt in Suben dazu, der Oberösterreich und Bayern bedienen soll. Ein weiterer Standort ist nächstes Jahr in Wiener Neustadt geplant.
74 Piloten und Pilotinnen, 381 Ärzte und Ärztinnen, 159 Flugretter und Flugretterinnen sowie 74 Mitarbeitende in Wartung und Technik sowie 56 in Verwaltung und Ground Operation stellen das Team der ÖAMTC-Flugrettung. Lebensrettung sei aber immer Teamarbeit auch darüber hinaus, verwies Geschäftsführer Klaus Schwarzenberger auf die Einbindung in das gesamte Rettungswesen.
Bis zu 15 Prozent sind Einsätze im alpinen Freizeitbereich
Die Crew an Bord besteht normalerweise aus drei Personen – Pilot/in, Flugretter/in sowie Notärztin bzw. Notarzt. Bei Alpineinsätzen kommt noch eine vierte Person als Bergespezialist/in dazu. Die Kosten für einen “normalen” Einsatz belaufen sich laut Trefanitz auf rund 5.000 Euro. Wird es komplizierter, weil längere Zuflüge oder etwa eine Taubergung notwendig sind, ist man schnell bei 10.000 Euro und mehr. “Die Mehrzahl der Einsätze wird mit der österreichischen Sozialversicherung abgerechnet, ab einem bestimmten Erkrankungsgrad”, erläuterte der Fachmann. Bezüglich der Einsätze im alpinen Sportfreizeitbereich müsse man aber immer wieder betonen, “dass hier Versicherungen notwendig sind, weil diese Einsätze von den Patientinnen und Patienten bezahlt werden müssen”. Alpine Einsätze machen in etwa zehn bis 15 Prozent der Gesamtzahl aus.
Auch technisch soll sich das Einsatzspektrum weiterentwickeln. Zum einen wird demnächst der erste Airbus H140 in Dienst gestellt. Mit größerer Reichweite und mehr Platz für die Patientenversorgung soll die neue Art von Helikopter in den nächsten Jahren das Airbus-H135-Modell ablösen. Zum anderen soll die “klassische Sichtfliegerei” durch sogenannte Point-in-Space-Lösungen – eine satellitengestützte Navigationstechnik – ergänzt werden, erläuterte Trefanitz. “Man kann es sich vorstellen wie eine GPS-basierte Autobahn in der Luft, wo wir uns sozusagen fixe Korridore bauen, an denen wir entlangfliegen können, auch wenn wir nicht die Sichtflugbedingungen haben, die erforderlich sind.”
Hitze kostet Leistung
Die aktuelle Wetterlage müssen auch die “Christophorus”-Mannschaften mitbedenken: “Der Einsatz bei Hitze hat natürlich spezielle Herausforderungen, weil eines mag ein Hubschrauber gar nicht: heiße Luft und weit oben zu operieren”, hieß es. “Wir verlieren bei solcher Hitze bis zu zehn, 15 Prozent an Leistung per Hubschrauber, und dementsprechend muss man da auch genügend Reserven einplanen.”