OeBFA-Chef Stix sieht beim Bundesschatz noch viel Potenzial

Der Geschäftsführer der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), Markus Stix, sieht beim Bundesschatz “noch viel Potenzial”. Das Anlageprodukt, das es Privaten und seit einigen Monaten auch öffentlichen Einheiten ermöglicht, direkt in heimische Staatsanleihen zu investieren, sei bei den Menschen sehr beliebt. Aktuell gebe es rund 145.000 Konten, davon seien die meisten private Anleger. Der öffentliche Sektor sei dagegen noch sehr zögerlich.
“Bei den Privaten bin ich sehr zufrieden, die Entwicklung ist toll”, sagte Stix am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Aber: “Ich bin enttäuscht von dem Bundesschatz für die öffentlichen Einrichtungen”. Es gebe 5.092 öffentliche Einheiten mit einem kombinierten Potenzial von rund 30 Mrd. Euro, die ihre liquiden Mittel von Bankkonten in den Bundesschatz verschieben könnten. Investiert hätten bisher nur 120 Einheiten. “Volumenmäßig sind das knapp 2 Mrd. Euro”, so Stix. Bei Privaten liege das Volumen dagegen bei rund 5,5 Mrd. Euro, das sei deutlich mehr als die OeBFA erwartet hatte.
Dabei hätte es Vorteile für die heimische Schuldenlage, wenn mehr öffentliche Einrichtungen ihr Geld in den Bundesschatz schieben würden. Denn wenn diese ihre liquiden Mittel in bei der Republik anlegen – also Staatsschulden kaufen – würden, könnte die OeBFA am Finanzmarkt weniger Schulden aufnehmen. Das würde wiederum die Verhandlungsposition der OeBFA am Markt und damit das Zinsniveau, dass Österreich für seine Staatsschulden zahlen muss, positiv beeinflussen.
OebFA will bei öffentlichen Einheiten weiter für Bundesschatz werben
Aktuell sei die Skepsis der öffentlichen Einheiten aber noch groß. Das habe unterschiedliche Gründe. So zahle die OeBFA weniger Zinsen als große öffentliche Einrichtungen bei Banken verhandeln können. “Wir als Republik sind aber auch die sicherste Anlage, wenn wir mehr Zinsen zahlen würden als die Banken, würde etwas falsch laufen”, sagte der OeBFA-Geschäftsführer. Die Gemeinden würden sich unter anderem sorgen, dass sie eventuell gar nicht in den Bundesschatz investieren dürfen, da er nicht als Sparprodukt sondern als Wertpapier gilt. Die OeBFA will sich hier einsetzen, dass ein Vieraugenprinzip umgesetzt werde und damit auch Gemeinden ohne Probleme in den Bundesschatz investieren können. “Mir persönlich fehlt ein bisschen das Verständnis, warum das nicht angenommen wird”. Die OeBFA will aber weiterhin für den Bundesschatz werben.
Insgesamt sieht Stix noch Ausbaupotenzial für das Bundesschatz-Produkt. Bei der Zahl der Konten könnte er sich ein Wachstum auf 170.000 bis 180.000 vorstellen. Wie stark sich das Volumen erhöhen könne, sei jedoch schwer abzuschätzen – auch weil private Sparer sehr zinssensitiv seien. Zudem könne der Anlegerkreis ausgeweitet werden – denn Einheiten wie Kirchen, Feuerwehren oder Vereine können aktuell noch nicht in den Bundesschatz investieren. Die Weiterentwicklung des Produkts brauche aber Zeit, so Stix.
Das Problem des IBAN-Namensabgleichs, der bisher bei Überweisungen an den Bundesschatz noch nicht funktioniert hat, soll indessen ab der kommenden Woche behoben sein, kündigte Stix an. Bisher hatten Kunden bei der Überweisung des Geldes Warnmeldungen bei ihrer Bank zu bekommen. Das lag daran, dass das Konto für den Bundesschatz über die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geführt wurde, die von der seit 9. Oktober geltenden Regel, dass bei jeder Überweisung der Empfängername mit der IBAN-Nummer abgeglichen werden muss, ausgenommen ist. Sie musste sich daher extra in den Systemen registrieren, damit der Abgleich doch stattfindet.
OeBFA nahm 2025 76,4 Mrd. Euro auf
Die OeBFA managt die Finanzschulden des Bundes. Sie bietet außerdem auch eine Rechtsträgerfinanzierung für die Bundesländer, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) oder die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB Infrastruktur) an. Mit Ende des Jahres 2025 lag die Finanzschuld der Republik Österreich bei 313,03 Mrd. Euro mit einer effektiven Verzinsung von 2,02 Prozent pro Jahr und einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 11,45 Jahren.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 76,4 Mrd. Euro (inklusive Bundesländern und Rechtsträgern) an Schulden aufgenommen. Die durchschnittliche Rendite lag bei 2,48 Prozent pro Jahr, das ist weniger als im Jahr 2024 (2,86 Prozent). Die Schuldenaufnahme wurde für den Staat also etwas günstiger.
Stolz ist die OeBFA vor allem auf ihre grünen Finanzierungsprogramme. Österreich sei weltweit der einzige Staat, der nicht nur grüne Bundesanleihen, sondern auch grüne kurzfristige Produkte anbiete. Von den Investoren würden die kurzfristigen Instrumente sehr gut angenommen, sagte Stix. Insgesamt lag das grüne Finanzierungsvolumen 2025 bei 6,13 Mrd. Euro. Auch beim Bundesschatz kann man grün investieren: Der Grüne Bundesschatz hat mittlerweile ein Emissionsvolumen von 1,65 Mrd. Euro.