ÖGK-Obmann Huss hofft durch Reform auf kürzere Wartezeiten

01.07.2026 • 16:32 Uhr
ÖGK-Obmann Huss hofft durch Reform auf kürzere Wartezeiten

Für Andreas Huss, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), sind die am Mittwoch präsentierten Ergebnisse der sogenannten Reformpartnerschaft “nicht der große Wurf”. Das sei aber auch gar nicht nötig, schließlich sei die Qualität im Gesundheitssystem weiter eine hohe. Zur Verringerung der Wartezeiten könnten die Pläne aber beitragen. Zudem sollten Ärztinnen und Ärzte gezielter eingesetzt, Ambulanzen und Spitalbetten entlastet werden, so Huss bei einem Medientermin.

Der Arbeitnehmervertreter (SPÖ) übernimmt mit 1. Juli wieder die ÖGK-Obmannschaft von seinem ÖVP-Gegenpart Peter McDonald. Huss sprach von einem “glücklich zusammengefallenen Termin” mit der Einigung bei der Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Es gebe nun ein Zwischenergebnis, aber auch noch offene Fragen und Verhandlungspunkte. “Die Reform lebt davon, dass die Menschen etwas spüren.”

Und das werde auch passieren, war sich Huss sicher. Verbesserungen seien vor allem bei der Primärversorgung geplant, dem “Fundament einer guten Gesundheitsversorgung”. Angestrebt werden 600 Primärversorgungseinheiten (PVEs) bis 2040. Laut Huss sind diese “das Modell der Zukunft”, das Leistungsspektrum dort wesentlich höher. Bisherige Zentren werden demnach gut angenommen: “Die Menschen stimmen hier mit den Füßen ab.” Das Angebot soll also ausgebaut werden, auch bei Frauen-, Kinder- und Zahnmedizin. Solange es nicht ausreichend PVEs gebe, würden auch verbindliche Patientenwege und angedrohte Strafzahlungen keinen Sinn machen.

Details bei Finanzierung offen

Noch nicht fertig ausgehandelt ist die Finanzierung. Für die Primärversorgung müssten aber ohnehin großteils die Krankenkassen aufkommen, so Huss. Die geplanten neuen Facharztzentren sollen gemeinsam bezahlt werden, Details fehlen auch hier. Grundsätzlich sei die oft zitierte “Finanzierung aus einer Hand” in Österreich gar nicht möglich, sagte der ÖGK-Obmann. Das System speise sich schließlich aus Versicherungsbeiträgen sowie aus Steuern. Richtig wäre aber, gemeinsam Leistungen einzukaufen.

“Durchaus stolz” war Huss auf die Idee der “integrierten Versorgung” in den Facharztzentren. Der multidisziplinäre Ansatz könne helfen, Ärztinnen und Ärzte für zentrale Tätigkeiten freizuspielen. Wichtig sei zudem die Telemedizin inklusive Gesundheitshotline 1450. “Auch das ist Primärversorgung”, sagte der Arbeitnehmervertreter. Andere Gesundheitsberufe sollen eingebunden werden, die Privatmedizin zurückgedrängt.

Die ÖGK selbst möchte Huss weiterentwickeln. Mittlerweile gebe es viele einheitliche Verträge, auch beim Gesamtvertrag sei man “ganz gut unterwegs”. Bis Jahresende soll hier die Grundstruktur stehen. Dass er sich die Obmannschaft mit den Arbeitgebern teilen muss, ist für Huss “sicherlich nicht gerechtfertigt”.