Österreich bei Pharma-Produkten stark von USA abhängig

HEUTE • 13:00 Uhr
Österreich bei Pharma-Produkten stark von USA abhängig

Österreich hat bei einigen Produkten eine hohe Importabhängigkeit von den USA. Laut einer Studie des Austrian Supply Chain Intelligence Institute (ASCII) besteht deshalb vor allem bei Vorprodukten für Arzneimittel und bei manchen High-Tech-Produkten eine hohe Verwundbarkeit in der heimischen Versorgung. Das Institut rät zu einer gezielten Reduktion dieser kritischen Abhängigkeiten.

“Am größten ist die Verwundbarkeit dort, wo einzelne US-Lieferanten und Knowhow nur schwer ersetzbar sind – insbesondere bei biomedizinischen Produkten und ausgewählten strategischen Hightech-Komponenten”, sagte ASCII-Direktor und Studienautor Peter Klimek laut der Aussendung. Vor allem bei biomedizinischen Produkten seien auch die Importmengen aus den USA hoch. “Ohne eine Reduktion der bestehenden Abhängigkeiten wird jede Störung zum Risiko für die Versorgungssicherheit, und der Wirtschaft droht ein Kollateralschaden.”

Abhängigkeit vor allem in Biomedizin und High-Tech

Bei den biomedizinischen Produkten geht es vor allem um Waren für die Herstellung von Impfstoffen, Antiseren und Blutprodukten, Hormonpräparate sowie um Wirkstoffe zur Behandlung von Asthma. Die Produkte seien unverzichtbar für die Medizin in Österreich, die große Abhängigkeit erhöhe jedoch das Engpassrisiko und es gebe kaum kurzfristige Ausweichmöglichkeiten auf andere Anbieter.

Bei High-Tech-Produkten sei Österreich ebenfalls stark von den USA abhängig, liefere aber gleichzeitig Produkte, die die Vereinigten Staaten benötigen – darunter Präzisionsmaschinen und Halbleiter-Technologien, die für die US-Industrie unverzichtbar sind. “Beide Länder sind auf hochspezialisierte Schlüsselprodukte des jeweils anderen angewiesen,” so Klaus Friesenbichler, Studienautor und ASCII-Vizedirektor.

Hohe Mengen importiert Österreich aus den USA außerdem bei Rohstoffen wie Kohle oder Roheisen, Halbleiteranlagen, Passagierflugzeugen, Pkws und E-Fahrzeugen. Allerdings seien die Abhängigkeiten bei diesen Produktgruppen nicht so kritisch, da diese weltweit besser verfügbar und leichter zu ersetzen seien.

Abhängigkeiten sollten reduziert werden

Die Experten des ASCII raten dazu, die Abhängigkeiten zu reduzieren indem Lieferquellen diversifiziert und europäische Produktionskapazitäten aufgebaut werden. Auch könnten technologische Alternativen helfen die Importe zu senken. Zudem brauche es strategische Reserven, damit Engpässe besser aufgefangen werden können. Schwierig sei die Reduktion der Abhängigkeit vor allem in der Halbleiter- und Elektronik-Industrie, da es nur sehr wenige Anbieter gebe. “Wir brauchen ein gezieltes Derisking – also das Absichern kritischer Bereiche, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA zu kappen”, so Markus Gerschberger, Studienautor und Vizedirektor des ASCII.