Österreichhaus in Brüssel wurde feierlich eröffnet
Das neue Österreichhaus in Brüssel ist am Freitag mit einem großen Festakt, Reden von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) sowie Belgiens Premier Bart De Wever feierlich eröffnet worden. Die EU-Botschaft Österreichs ist nach 30 Jahren umgezogen: Das Gebäude liegt einige Häuser näher am Zentrum des Brüsseler EU-Viertels, dem Schuman-Platz.
Auch die Botschaft in Belgien ist eingezogen und damit unter einem Dach. Der heutige Tag sei aber nicht nur die Eröffnung eines Gebäudes, “er ist viel mehr. Er ist das klare Bekenntnis Österreichs, dass wir in dieser EU mitgestalten wollen”, betonte Stocker in seiner Rede vor hunderten Gästen und Mitarbeitenden. “Wir wollen sichtbar und spürbar sein hier in Brüssel. Wir waren ja schon bisher nicht weit von hier, aber wir sind mit diesem Haus noch einmal näher an Schuman herangerückt, an das Herz der europäischen Entscheidungsfindung.” Diese Nähe sei nicht nur geografisch von Bedeutung, sie schaffe auch zusätzlich die Möglichkeit, unsere Interessen auf europäischer Ebene wirksam zu vertreten.
Mit rund 7.500 Quadratmeter Nutzfläche und etwa 200 Arbeitsplätzen ist das Österreichhaus Brüssel die größte österreichische Auslandsvertretung weltweit. Die EU-Botschaft, genauer die “Ständige Vertretung Österreichs bei der EU”, umfasst neben allen österreichischen Bundesministerien auch Vertreter von Sozialpartnern, Industriellenvereinigung, Nationalbank, Gemeindebund und Städtebund sowie die Verbindungsstelle der Bundesländer. Die österreichische Botschaft Brüssel und das Kulturforum Brüssel, die bisher immer in eigenen Gebäuden untergebracht waren, sind im großen Österreichhaus mit eingezogen.
“Ort des Austauschs und der Begegnung”
Das Haus wurde aber “nicht nur als Verwaltungsgebäude geplant, sondern als Ort des Austauschs und der Begegnung”, wird von Seiten der Vertretung betont. Ein großer Veranstaltungssaal und Garten ermöglichen es, in Zukunft mehr Veranstaltungen mit mehr Gästen als bisher in der Vertretung abzuhalten. Auch eine neue Kantine für die Mitarbeitenden gibt es. Das neue Gebäude wurde moderner und nachhaltiger als die ehemalige Vertretung ein paar Nummern weiter in der Avenue de Cortenbergh konzipiert: Photovoltaikanlagen, ein Gründach und Biodiversitätskonzept oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge und E-Bikes sollen das belegen.
Der Umbau und die Sanierung wurden laut Angaben aus der Vertretung vom Eigentümer, der österreichischen IG Immobilien (Tochterunternehmen der Österreichischen Nationalbank) bezahlt; die Nutzenden bezahlen für nutzerspezifische Adaptierungen 4,8 Millionen Euro und Investitionen in Sicherheit und IT-Infrastruktur 2 Millionen Euro. Diese Kosten verteilen sich laut Vertretung auf alle Ressorts und Dienststellen und fallen etwa für Sicherheitsschleusen und abhörsichere Leitungen an. Zuvor befand sich an dieser Adresse die niederländische EU-Vertretung.
Vertretung bringt österreichische Positionen bei EU ein
Die ständige Vertretung unterscheidet sich in ihren Aufgaben stark von einer klassischen Botschaft, die sich etwa um die Kontakte zum Gastland oder die Belange und Probleme der dort lebenden oder sich aufhaltenden Staatsbürgerinnen und Staatsbürger kümmert. Priorität der EU-Botschaft, die seit eineinhalb Jahren von Gregor Schusterschitz geleitet wird, ist die Einbringung der österreichischen Positionen und Standpunkte auf EU-Ebene sowie im Gegenzug die Sammlung und Weitergabe von Informationen nach Wien. Die österreichische bilaterale Mission in Brüssel wird von Botschafter Jürgen Meindl geleitet.
Die Beamten der Vertretung nehmen dazu an verschiedenen, nach Themen organisierten Ratsarbeitsgruppen teil. Rund 250 dieser Vorbereitungsgremien tagen ca. 4000 Mal im Jahr. Sie bereiten die von der EU-Kommission vorgeschlagenen EU-Gesetze vor, die später auch in Österreich gelten. Auch die regelmäßig stattfindenden Ministerräte und EU-Gipfel werden von den Mitarbeitenden in Brüssel maßgeblich vorbereitet und begleitet. Wer sich die Vertretung einmal selbst ansehen will, sollte sich an den Besucherdienst wenden: Er organisiert Besuchsprogramme für jährlich über 200 Gruppen aus Österreich, inklusive Besichtigungen der EU-Institutionen.