Österreichs Alpenspeicher oft im Nahbereich von Permafrost

Laut WWF liegen 39 von 67 großen Kraftwerksspeichern in den heimischen Alpen im Nahbereich kartierter Permafrostgebiete. Tauen diese, können Felsflanken destabilisiert werden. Stürzen große Gesteinsmassen in einen Speicher, würden gefährliche Flutwellen entstehen, warnte die Umweltorganisation am Freitag.
Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) soll nach den Vorstellungen des WWF bis Jahresende einen Klima-Sicherheitsbericht vorlegen. “Österreichs Stauanlagen werden regelmäßig kontrolliert, doch die Klimakrise erhöht die Gefahrenlage in ihrem hochalpinen Umfeld”, so Bettina Urbanek vom WWF.
Kaunertal-Ausbau riskant und intransparent
Für einzelne Speicher würden bereits Untersuchungen vorliegen, an weiteren Standorten laufen Forschungsprojekte, wie WWF-Nachfragen bei Kraftwerksbetreibern ergeben hätten. Der geforderte Klima-Sicherheitsbericht soll diese Erkenntnisse zusammenführen und transparent machen.
Besonders brisant sei die veränderte Gefahrenlage im Kaunertal, wo die Tiwag einen massiven Kraftwerksausbau plant. Der neue Platzertal-Speicher mit 42 Millionen Kubikmetern soll mit dem bestehenden Gepatsch-Speicher zu einem Pumpspeichersystem verbunden werden. Im Einzugsgebiet liegen ausgedehnte Gletscher- und Permafrostbereiche. Eine Analyse der Projektunterlagen durch den Glaziologen und Geomorphologen Wilfried Haeberli im Auftrag des WWF würde zeigen, dass mögliche große Sturzereignisse und dadurch ausgelöste Flutwellen nicht ausreichend berücksichtigt werden.