Österreichs Außenhandel kommt langsam in Schwung

19.05.2026 • 07:00 Uhr
Österreichs Außenhandel kommt langsam in Schwung

Die US-Handelspolitik und der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite haben in den vergangenen Monaten die Weltwirtschaft belastet. Österreichs Außenhandel konnte sich diesen Entwicklungen nicht entziehen – und die Prognosen für heuer und 2026 gehen ebenfalls von einer schwächeren Entwicklung aus, so die Prognose des FIW – Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft.

Die Exporte gingen im Vorjahr nominell um 0,5 Prozent und real um 1,1 Prozent zurück. Die Prognosen für die österreichische Außenwirtschaft gehen für heuer und das nächste Jahr von einem bescheidenen Wachstum aus: Im Hauptszenario rechnen die Ökonomen von Wifo, IHS und wiiw für heuer mit einem Anstieg der Exporte von Waren und Dienstleistungen um 1,5 Prozent sowie um 2,2 Prozent im nächsten Jahr. Bei der pessimistischen Prognose mit einem weiterhin hohen Ölpreis gehen die Expertinnen und Experten für heuer mit einem Plus bei den Exporten um nur 0,3 Prozent und 2027 um nur 1,1 Prozent aus. In beiden Szenarien erwarten die Ökonomen, dass sich das Handelsdefizit zumindest geringfügig verringert, da die Importzuwächse unter den Exportzuwächsen liegen sollten. Im Vorjahr verschlechterte sich hingegen die Handelsbilanz aufgrund deutlich gestiegener Importe um 8,8 Mrd. Euro.

Weltwirtschaft legte um 3,4 Prozent zu

Mit der optimistischeren Prognose kann Österreich zumindest im EU-Vergleich mithalten: Während die US-Wirtschaft weiterhin 2,1 Prozent zulegt, sieht es in der EU mit einem prognostizierten Wachstum von 1,2 Prozent heuer und 1,3 Prozent im nächsten Jahr vergleichsweise mager aus. Die Weltwirtschaft wuchs im Vorjahr hingegen um 3,4 Prozent. Heuer und das nächste Jahr wird ein Anstieg um 3,1 Prozent bzw. 3,2 Prozent erwartet.

Für die Ökonomin Elisabeth Christen (Wifo) sind derzeit die handelspolitischen Signale aus den USA und die Entwicklung der fossilen Energieträger relevant. Sollte der Nahost-Konflikt länger andauern und die Straße von Hormuz länger gesperrt sein, müsse man mit Lieferketten-Problemen rechnen – was die wirtschaftliche Erholung deutlich dämpfen dürfte.

Neue Wachstumsmärkte

Wachstumsmärkte eröffnen Österreichs Wirtschaft der Analyse zufolge jedoch Chancen: So wird Indien bis 2029 ein zusätzliches Importwachstum von rund 308 Milliarden US-Dollar (265 Mrd. Euro) verzeichnen. Österreichs Unternehmen könnten hier mit Maschinenbau, Industrieanlagen, Umwelttechnologien und technischer Infrastruktur punkten.

“Mit der Ankündigung umfassender US-Importzölle ist die handelspolitische Unsicherheit im vergangenen Jahr auf historische Höchststände gestiegen”, merkte Klaus Weyerstraß (IHS) an. “Handelsabkommen reduzieren diese Unsicherheit und geben den Unternehmen einen stabilen Anker.”

Hier hat es in den vergangenen Monaten deutliche Fortschritte gegeben: Neben dem Mercosur-Abkommen unterzeichnete die EU auch Abkommen mit Indonesien und Indien und schloss die Verhandlungen mit Australien ab.

Energiepreise als wesentlicher Faktor

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht sich durch die Prognosen der Ökonomen bestätigt: “Die Ergebnisse der Studie bestätigen unseren wirtschaftspolitischen Kurs”, so Hattmannsdorfer. “Österreich muss resilienter und unabhängiger werden.” Mit der Industriestrategie 2035 setze man auf Schlüsseltechnologien, industrielle Skalierung, neue internationale Partnerschaften und eine stärkere europäische Souveränität bei Energie, Technologie und Produktion. Vor allem die Energiepreise sind, so der Minister, ein entscheidender Faktor für unseren Standort. Wobei Robert Stehrer vom wiiw ebenfalls empfiehlt, eine breit angelegte Industriestrategie aktiv voranzutreiben.