ÖVP in OÖ stellt Borealis-Deal mit Russen infrage

25.02.2022 • 11:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach der Invasion Russlands in der Ukraine plädiert Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) dafür, den geplanten Verkauf der Linzer Düngemittelsparte der OMV-Chemietochter Borealis an den russisch-schweizerischen Konzern EuroChem auf den Prüfstand zu stellen. “Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse steht alles wieder auf dem Prüfstand. Daher ist auch dieser Zusammenschluss zu hinterfragen”, sagte Achleitner zu den “Oberösterreichischen Nachrichten”.

Noch vor drei Wochen, als der Deal bekannt wurde, hatte Achleitner von einer “Chance für den Standort Oberösterreich” gesprochen, erinnerten die “OÖN” in ihrer Freitagausgabe. Bei Borealis hieß es der Zeitung zufolge, EuroChem habe den Firmensitz in der Schweiz, es handle sich daher um ein Schweizer Unternehmen, die Prüfungen des verbindlichen Angebots würden weiter laufen. Zur APA erklärte Borealis am Freitag: “Aktuell liegt uns von Seiten der Verwaltungsbehörden keine Information vor, dass die Situation einen Einfluss auf den Ausgang des laufenden Verfahrens haben könnte.”

EuroChem hat den Borealis-Geschäftsbereich Düngemittel, Melamin und technische Stickstoff laut einem verbindlichen Angebot mit 455 Mio. Euro bewertet, der Abschluss des Verkaufs werde für die zweite Jahreshälfte 2022 erwartet, hatte es am 3. Februar geheißen. Die OMV-Tochter Borealis beschäftigt rund 7.000 Leute, davon etwa 2.000 in dem Geschäftsbereich, der abgestoßen werden soll. Das betrifft 700 Mitarbeiter am Standort in Linz, außerdem gibt es drei Standorte in Frankreich und einen in Deutschland.

Mitte Jänner hatte die OMV Abschreibungen und Wertberichtigungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro bekanntgegeben, wovon laut Konzern etwa ein Viertel auf das Kunstdünger-Geschäft der Borealis entfällt.

Beim Käufer, der EuroChem-Gruppe, handelt es sich laut “OÖN” um einen vom russischen Oligarchen Andrei Melnitschenko gegründeten Großkonzern. Laut Eurochem-Webseite befindet sich der Sitz der EuroChem Group in Zug in der Schweiz in einem Gebäude der Zuger Kantonalbank. Die operative Zentrale ist in Moskau.

Dass EuroChem nun einen Standort in Linz übernehmen solle, berge doch einigen Diskussionsstoff, so die Zeitung. Denn mit der Produktion würde der EuroChem auch der größte Teil der Fläche des Linzer Chemieparks mit rund einer Million Quadratmeter zufallen. Die Situation sei pikant, weil Borealis mehrheitlich der OMV gehöre und zu 31,5 Prozent der Republik Österreich.

Die EuroChem-Gruppe hat wichtige Produktionsstätten in Russland, Belgien, Kasachstan und Litauen, zählt mehr als 27.000 Leute in 40 Ländern und vertreibt ihre Produkte in über 100 Ländern. Durch die Übernahme der Borealis-Sparte bekommt sie Produktionsanlagen in Österreich, Deutschland und Frankreich dazu sowie ein Verkaufs- und Vertriebsnetz.