Otto mäht Dürers “Rasenstück” in der Albertina
Warum reibt sich der Elefant in einer Zeichnung von Roelant Savery an einem Baum? Die Antwort findet man nun in den Habsburgischen Prunkräumen der Albertina anhand eines daneben platzierten ergänzenden Bildes: Weil ein Ottifant Juckpulver verstreut. Otto Waalkes hat für eine Intervention Werke aus der Sammlung des Museums mit eigenen Arbeiten interpretiert. “Ich glaube, dieses große Haus kann ein bisschen Humor vertragen”, schmunzelte der 77-Jährige am Dienstag vor Medien.
“Otto hat immer bekundet, dass er so ein großer Fan der Albertina ist”, sagte Generaldirektor Ralph Gleis am Rand der Pressekonferenz der APA. “Und wir haben 250 Jahre der Gründung dieser Institution zu feiern. Da war die große Frage: Würde Otto denn diese großartige Sammlung irgendwie kommentieren? Und er hat sich tatsächlich bereit erklärt, zwölf neue Werke zu schaffen.” Otto sei ja “nicht nur ein Komiker und Sänger”, betonte Gleis, “sondern eben auch Maler”, ausgebildet an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.
Natürlich habe er immer Interesse gehabt, “in der Albertina ausstellen zu dürfen”, sagte Otto, der wie der Herr des Hauses im hellblauen Anzug und in weißen Schuhen erschienen war (Gleis: “Wir haben uns nicht abgesprochen!”). “Aber ich habe davon nie zu träumen gewagt.” Konter von Gleis mit Augenzwinkern: “Otto hat ja überall herumgebrüllt, dass er die Albertina liebt, da konnte man sich schwer wehren.”
Ottifanten überall
In einem halben Jahr hat Waalkes die zwölf Bilder angefertigt, erweiterte Kopien des Originals oder Ergänzungen, zu sehen in “Otto meets Albertina”. Auf jedem ist natürlich ein Ottifant vertreten, das Markenzeichen des Ostfriesen. “Der allererste Ottifant war ja das Ergebnis eines misslungenen Selbstporträts”, erzählte er. Eines der Tiere nähert sich etwa Albrecht Dürers “Großem Rasenstück” mit einem Rasenmäher. Ein anderes steht Peter Bruegels “Maler und Käufer” Modell. “Das Mädchen mit dem Murmeltier” von Jean-Honoré Fragonard blickt in Ottos Interpretation auf ein anderes Lebewesen – einen Ottifanten.
“Es sind natürlich Klassiker aus unserer Sammlung”, betonte Gleis. “Dürer ist dabei, Baldung Grien, Klimt und Schiele.” Aber Otto hatte eine Carte blanche und wählte mitunter etwas weniger populäre Werke für seine Intervention aus. “Otto ist durchaus begnadet. Er weiß natürlich, er ist jetzt nicht der nächste Dürer, der hier ausstellt. Aber dieser Dialog zwischen seinen Interpretationen und den Originalen ist ein großer Gewinn für uns.” Man hoffe durchaus, neues Publikum zu gewinnen: “Menschen, die vielleicht einen anderen Zugang zur Kunst haben und erst mal vor diesem hehren Kunsttempel etwas zurückschrecken.”
“Krönung oder Dröhnung”, jedenfalls “high”
Otto Waalkes hat schon in zahlreichen Galerien ausgestellt. Ist die Schau in den Prunkräumen für ihn die Krönung? “Ob’s eine Krönung oder eine Dröhnung ist, ich weiß nicht”, antwortete er im APA-Interview. “Für mich ist es das. Ich bin angetörnt, ich bin high, weil ich das nicht gewohnt bin, dass meine Bilder in so einer Umgebung Anklang und eine Bestätigung finden. Ich kann dem Direktor nur danken, dass er den Mut gehabt hat, hier auch die Populärkunst ein bisschen an die Wand zu bringen – und dass mal auch wieder gelacht werden darf in diesen heiligen Hallen der Habsburger.”
Kunst sei eigentlich “immer schon auch dazu da, Leute zu erfreuen und auch zum Lachen zu bringen”, ergänzte Gleis. “Das vergisst man heute oft. Das Humoristische in der Kunst ist gar nicht wegzudenken. Otto legt noch mal sozusagen den Finger hier in die Wunde, um das zu zeigen. Manche seiner Sachen sind bissige Parodien, aber manchmal auch sehr liebevolle Aneignungen.”
Wobei Otto klarstellte: “Die Parodie ist für mich die aufrichtigste Form der Verehrung. Man muss ja das Original kennen, um es zu parodieren.” Dabei benützt er mitunter seine eigene Technik: Um die Patina eines Originals zu erreichen, habe er beispielsweise “die Leinwand mit Ostfriesentee grundiert”.
(S E R V I C E – “Otto meets Albertina” in den Habsburgischen Prunkräumen der Albertina, 3.6.-10.1.27, täglich 10 – 18 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10 – 21 Uhr, Katalog herausgegeben von Ralph Gleis und Otto Waalkes, Eigenverlag Albertina, 29,90 Euro; )