Pakistan flog Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan

29.06.2026 • 16:24 Uhr

Die Atommacht Pakistan hat erneut Ziele in Afghanistan angegriffen und dabei nach afghanischen Angaben Dutzende Zivilisten getötet. Bei den Luftangriffen seien in den afghanischen Grenzprovinzen Paktia, Paktika und Kunar 29 Extremisten gestorben, teilte hingegen der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar am Montag mit. Vier Kämpfer der Extremistengruppe Jamaat-ul-Ahrar sind bei Bodeneinsätzen von Sicherheitskräften in der Grenzregion getötet worden.

Die afghanische Taliban-Regierung erklärte dagegen, bei den Angriffen seien 36 Zivilisten getötet worden, darunter Frauen und Kinder. 163 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Regierung in Islamabad verschärfte zudem ihr Vorgehen gegen afghanische Staatsbürger, die sich ohne Visum in Pakistan aufhalten.

Tarar sagte, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Anschlag am Samstag, bei dem in der pakistanischen Stadt Karachi drei Paramilitärs getötet worden seien, sowie auf Gewalt in den Grenzregionen, sagte der Minister.

“Feiger Akt der Aggression”

Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid verurteilte die pakistanischen Angriffe und bezeichnete sie als “feigen Akt der Aggression”. Sein Stellvertreter Hamdullah Fitrat ergänzte, in Paktia sei ein Dorf nach einem ersten Angriff erneut bombardiert worden, als sich Dorfbewohner für Rettungsmaßnahmen versammelt hätten.

Die pakistanischen Angriffe sind die folgenschwersten seit Mitte März, als beim Bombardement einer Drogen-Entzugsklinik in Kabul nach UN-Angaben mindestens 269 Menschen getötet wurden. Die Taliban sprachen von mehr als 400 Todesopfern bei dem Angriff, für den Pakistan die Verantwortung zurückwies.

Immer wieder Luftangriffe Pakistans

Der Konflikt zwischen den beiden Nachbarländern war Ende Februar eskaliert. Pakistan führt seither immer wieder Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan aus. Die Regierung in Islamabad beschuldigt die in Kabul herrschenden, radikalislamischen Taliban, bewaffneten extremistischen Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück.

Die pakistanische Regierung erhöhte am Montag zudem den Druck auf afghanische Flüchtlinge. Laut einer Anweisung des Innenministeriums, die AFP vorlag, soll vom 10. Juli “jeder afghanische Staatsangehörige, der sich ohne gültiges Visum in Pakistan aufhält, unverzüglich festgenommen werden”. Unklar blieb zunächst, ob gegen die Festgenommenen Anklage erhoben wird oder ob ihnen die Abschiebung droht.

Pakistan hatte in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Menschen aus Afghanistan aufgenommen, die vor Gewalt und humanitären Krisen geflohen sind – von der sowjetischen Invasion 1979 bis zur Machtübernahme durch die Taliban im Jahr 2021.

Unter Berufung auf die Zunahme von Angriffen startete die pakistanische Regierung 2023 eine massenhafte Rückführung von Afghanen. Seitdem wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 2,3 Millionen afghanische Staatsangehörige aus Pakistan zur Rückkehr gezwungen, darunter allein in diesem Jahr mehr als eine halbe Million.