Papst segnet in Barcelona höchsten Kirchturm der Welt

Papst Leo XIV. hat am Mittwoch eine Messe in der Basilika Sagrada Família in Barcelona gefeiert. Bei seiner Ankunft an der weltberühmten Kirche wurde der Papst am Abend unter anderem von König Felipe VI. und Königin Letizia empfangen. Er segnete im Anschluss den höchsten Kirchturm der Welt – den 172,5 Meter hohen Christusturm.
Große Menschenmengen hatten zuvor die Fahrtstrecke des Papstes gesäumt, als dieser sich in seinem Papamobil langsam der Basilika näherte. Der Papst betete in der Krypta der Sagrada Família am Grab ihres Architekten Antoni Gaudí. Anschließend feierte Leo in der Sagrada Família die Messe zum 100. Todestag Gaudís. Im vergangenen Jahr besuchten fast fünf Millionen Menschen die Kirche, die damit das meistbesuchte kostenpflichtige Monument Spaniens ist.
Gaudí war ein tiefgläubiger Katholik und ist in der Krypta der Sagrada Família beigesetzt. Der Architekt starb am 10. Juni 1926 an den Folgen eines Unfalls. Er war in Barcelona von einer Straßenbahn erfasst worden – als er zum Beten in eine Kirche gehen wollte. Im April 2025 erkannte der Vatikan Gaudí als “ehrwürdigen Diener Gottes” an. Dies ist eine Vorstufe zur Seligsprechung. Derzeit prüft eine Vatikan-Kommission eine Kindesheilung als mögliches Wunder, denn ein als Wunder anerkanntes Ereignis – etwa eine medizinisch nicht erklärbare Heilung – ist eine notwendige Voraussetzung für eine Seligsprechung.
Besuch in Kloster Montserrat
Zuvor besuchte er das Bergkloster von Montserrat oberhalb von Barcelona sowie ein Gefängnis. Die Abtei Montserrat gilt seit Jahrhunderten als ein Zentrum katalanischer Frömmigkeit und Kultur. Die “Schwarze Madonna” von Montserrat ist alljährlich Ziel Hunderttausender Pilger und Touristen. Gemeinsam mit den rund 80 Mönchen betete der Papst laut Kathpress in katalanischer Sprache das Rosenkranzgebet. In seiner anschließenden Ansprache sagte der Papst, er vertraue der unter dem Namen “Moreneta” verehrten Schwarzen Muttergottes seinen Dienst als Papst und die Sendung der Kirche in einer Welt an, die nach Gerechtigkeit und Frieden schreie.
“Jesus weist uns den Weg der Barmherzigkeit, der Versöhnung, der Wahrheit und der Güte. Gleichzeitig entlarvt er die Gewalt, die sich in unseren Worten und Haltungen verbergen kann: erniedrigende Kritik, zerstörerische Verurteilung und spaltende Aggressivität”, so Leo XIV.
Das Kloster von Montserrat war im Spanischen Bürgerkrieg Opfer linker Gewalt, 23 Mönche wurden damals ermordet. Danach, während der rechten Diktatur von Francisco Franco (1939-1975), galt das Kloster als Hochburg der verbotenen katalanischen Kultur und Sprache. Abt Aureli Maria Escarré (1908-1968) musste nach einer öffentlich geäußerten Kritik an der Unterdrückung der Freiheit in der Franco-Diktatur das Land verlassen.
Ansprache in Gefängnis
Zuvor besuchte Leo XIV. ein Gefängnis. 80 weiblichen und männlichen Häftlingen machte er in einer kurzen Ansprache Mut, meldet Kathpress. “Jeder Mensch ist würdig”, sagte er. In der Justizvollzugsanstalt Brians 1 bei Barcelona sagte der Papst: “Es gibt keine Situation, die den Herrn dazu veranlassen würde, seinen Blick von uns abzuwenden.” Das sei eine tröstliche Wahrheit, die daran erinnere, dass die barmherzige Liebe Gottes größer als alles Gute und Böse sei, das die Insassen je getan haben. Auch in traurigen Momenten sollten sie daran denken, “dass die Fehler im Leben nicht die Identität eines Menschen bestimmen”, erklärte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken weltweit.
Treffen in sozialem Brennpunkt Barcelonas
“Ihr Besuch freut uns riesig, denn wir fühlen uns hier oft vergessen”, wandte sich die Haftinsassin Montse an Leo. Die ungefähr 50 Jahre alte Frau aus Barcelona berichtete dem Papst, wie sie im Gefängnis zu Gott fand und “durch den Glauben und das Vertrauen ein besserer Mensch geworden” sei.
Nach dem Besuch des Gefängnisses ging es für den Papst mit dem Auto weiter zum Bergkloster Montserrat. Die Benediktinerabtei gilt als Ort der Bewahrung des Erbes der katalanischen Sprache und Kultur durch die Jahrhunderte. Am Nachmittag trifft der Papst Vertreter von kirchlichen Hilfs- und Sozialdiensten in der Kirche Sant Agustí im Raval-Viertel, einem sozialen Brennpunkt von Barcelona.
Höhepunkt der päpstlichen Reise in Sagrada Familia
Am Abend folgt der lange im Vorfeld vorbereitete Höhepunkt des apostolischen Besuches in Spanien: In Barcelona segnet der Papst am Abend den höchsten Kirchturm der Welt – den 172,5 Meter hohen Christusturm der Basilika Sagrada Familia. Der 10. Juni ist zugleich der 100. Todestag von Antoni Gaudí, Baumeister des einzigartigen Wahrzeichens der katalanischen Hauptstadt.
Papst Leo XIV. hält sich seit Samstag in Spanien auf. Für das seit einem Jahr amtierende Kirchenoberhaupt ist es die vierte Auslandsreise und der erste offizielle Besuch in einem EU-Land außerhalb Italiens.
Abendlicher Gottesdienst in der Sagrada Familia
König Felipe VI. wird den Papst am Abend an der Sagrada Familia empfangen. Leo XIV. will zunächst in der Krypta der Basilika am Grab von Antoni Gaudí beten. Um 19.30 Uhr beginnt in der Sagrada Familia der Gedenkgottesdienst am 100. Todestag Gaudís.
Am Ende wird der Papst auf den Vorplatz der Basilika kommen und feierlich den zentralen, vor wenigen Monaten fertiggestellten Christusturm segnen. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatte im Jahr 2010 den Altar der Sagrada Familia geweiht und dem ungewöhnlichen Gotteshaus mit den 18 Türmen den Titel einer “Basilica minor” verliehen.
Mit dem Bau der weltbekannten Kirche wurde 1882 begonnen. Architekt Gaudí (1852-1926) selbst starb nach 40 Jahren Arbeit in Folge eines Verkehrsunfalls. Seit 2000 läuft für ihn ein Seligsprechungsverfahren. Die komplette Fertigstellung des Gotteshauses soll in den 2030er Jahren erfolgen.
Am Donnerstag reist Papst Leo auf die Kanarischen Inseln weiter, wo besonders viele Bootsmigranten aus Afrika ankommen. Auf Gran Canaria und Teneriffa trifft er Geflüchtete und Engagierte von Caritas und weiteren Organisationen. Nach einer Messe am Hafen der Insel Teneriffa reist er am Freitagabend zurück nach Rom.