Genesung von Papst Leo XIV. verläuft nach Plan

15.10.2026 • 19:19 Uhr

Nach dem 90-Minuten-Eingriff zur Entfernung eines Lungentumors am Dienstag verläuft die Rekonvaleszenz des Papstes in der römischen Poliklinik Agostino Gemelli nach Plan. Der Papst hat sich am Donnerstag routinemäßigen Kontrolluntersuchungen unterzogen. Die Ergebnisse seien unauffällig gewesen, teilte der Vatikan in seinem medizinischen Bulletin mit. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs habe eine gute Erholung der operierten Lunge gezeigt.

Die Physiotherapie habe ein vollständiges Bewegungsprogramm umfasst. Insgesamt verlaufe die postoperative Genesung nach Plan. Der Papst habe seine Arbeit wieder aufgenommen, sagte Vatikansprecher Matteo Bruni vor Journalisten. Auch am Donnerstag konzelebrierte der Papst erneut die Messe im zehnten Stock der Gemelli-Klinik, wie Bruni mitteilte. Davor hatte der Vatikan mitgeteilt, dass der Heilige Vater eine ruhige Nacht verbracht habe, er sei vom Bett aufgestanden und habe gefrühstückt.

Noch unklar ist, ob sich der Papst jetzt einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer anderen Behandlung unterziehen muss. Zunächst muss das vollständige Ergebnis der Gewebeuntersuchung abgewartet werden. Sollte sich im daraus resultierenden histologischen Befund herausstellen, dass die entfernten Lymphknoten vom Tumor befallen sind, wird geprüft, ob eine postoperative Behandlung erforderlich ist. Welche Therapie infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich aus den weiteren Untersuchungen ergeben.

Dass ein Eingriff bevorstand, hatte der Pontifex zwei Tage zuvor beim sonntäglichen Mittagsgebet persönlich angekündigt. Er überraschte damit fast alle – außer einem sehr kleinen Kreis von Eingeweihten. Seither wird unter Vatikanbeobachtern darüber spekuliert, wer wann was über die Krebserkrankung des Papstes und deren Gefährlichkeit wusste. Der Vatikan selbst hat, ebenso wie der Papst, bisher nicht bekannt gegeben, wann und wo die ersten Diagnosen stattfanden.

Zeichnungen und Genesungswünsche für Papst im Gemelli-Krankenhaus

Vor dem Gemelli-Krankenhaus in Rom bekunden Gläubige ihre Anteilnahme und Verbundenheit mit Papst Leo XIV. mit Blumen, Zeichnungen und Genesungswünschen. Auch die katholische Kirche in Rom ruft zu gemeinsamen Gebeten für den Papst auf. Am kommenden Sonntag soll bei den Gottesdiensten in der Diözese Rom eine besondere Fürbitte für seine Gesundheit gesprochen werden. Der Kardinalvikar für Rom, Baldo Reina, bat die Pfarrer in einem Schreiben, die besondere Gebetsintention in die Fürbitten der Messen aufzunehmen. Zudem ermutigte Reina die Gemeinden, weiterhin gemeinsam den Rosenkranz zu beten und Familien zum Gebet für den Papst einzuladen. Besonders Kinder sollten dabei einbezogen werden.

Genesungswünsche für Leo XIV. aus aller Welt

Genesungswünsche erhielt Leo XIV. aus aller Welt, darunter aus seiner US-Heimat. US-Präsident Donald Trump wünschte Leo XIV. nach dessen Lungenkrebsdiagnose eine schnelle Genesung. “Ich möchte, dass Papst Leo wieder gesund wird”, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. “Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er schnell wieder gesund wird.”

Dem Vatikan zufolge war bei dem 71 Jahre alten Papst Lungenkrebs festgestellt worden, nachdem ihm am Dienstag ein Teil des rechten Lungenflügels operativ entfernt worden war. Die Erholung nach dem Eingriff verlaufe wie erwartet, teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Leo habe bereits begonnen, in seinem Krankenzimmer umherzugehen, und esse wieder normal.

Öfters Differenzen zwischen Trump und Papst

Trump und der erste US-amerikanische Papst hatten sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch übereinander geäußert. Leo forderte in den USA eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Umgang der Regierung mit Migranten. Er bezeichnete das Vorgehen der Trump-Regierung gegen Einwanderer als äußerst respektlos und kritisierte deren aus seiner Sicht unmenschliche Behandlung. Auch in der Außenpolitik gibt es Differenzen. Der Vatikan hat sich nicht Trumps Initiative eines “Friedensrats” für den Gazastreifen angeschlossen. Zudem kritisierte Leo den Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Trump hatte den Papst Anfang des Jahres in einem Beitrag im Internet als “schrecklich in der Außenpolitik” und “schwach bei der Kriminalitätsbekämpfung” bezeichnet.

Zuletzt äußerte sich Leo Ende September besorgt über die möglichen Gefahren Künstlicher Intelligenz. Warnungen, dass die Technologie das Potenzial habe, die Welt zu zerstören, müssten ernst genommen werden. Damit widersprach er indirekt Trump, der Befürchtungen über eine existenzielle Bedrohung durch Künstliche Intelligenz als “Schwindel” bezeichnet hatte.

Südamerika-Reise könnte verschoben werden

Im November steht für den Papst eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere, weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Leuten führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit. Die peruanische Präsidentin Keiko Fujimori sagte am Mittwoch, der Besuch von Papst Leo XIV. in Lateinamerika könnte sich aus gesundheitlichen Gründen verschieben. Laut peruanischen Medien könnte die Papst-Reise auf Frühjahr 2027 verschoben werden.

Die Reise des Papstes nach Südamerika hängt nach Angaben von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vom weiteren Verlauf der Genesung ab. Bei der Einlieferung des Papstes ins Krankenhaus sei zunächst davon ausgegangen worden, dass die Reise wie geplant stattfinden könne, sagte Parolin am Donnerstag am Rande einer Veranstaltung in der irakischen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Wenn sich der Gesundheitszustand wie ursprünglich erwartet entwickle, werde die Reise voraussichtlich stattfinden. Ob es Änderungen geben werde, lasse sich derzeit nicht sagen. Angesichts der langen und anstrengenden Reise müsse zunächst abgewartet werden, wann der Papst das Krankenhaus verlassen könne und was die Ärzte zu seiner Reisefähigkeit sagten.

Auch über die Teilnahme des Papstes am Angelusgebet am Sonntag lasse sich noch keine verlässliche Aussage treffen. Dies hänge vom Verlauf der Genesung ab. “Wenn es dem Papst bis zum Ende der Woche besser geht, wird er das Angelusgebet voraussichtlich aus der Gemelli-Klinik sprechen”, sagte Parolin.

Es sei erst zwei Tage her, dass der Papst ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Daher seien derzeit keinerlei Prognosen möglich. Zunächst müsse abgewartet werden, wann und in welchem Zustand er die Klinik verlassen könne und welche Einschätzung die Ärzte abgäben. Auf dieser Grundlage werde der Papst gegebenenfalls auch seine Amtsführung neu ausrichten, sagte Parolin.