Pathologie in Österreich kämpft mit Strukturproblemen

16.06.2026 • 11:59 Uhr
Pathologie in Österreich kämpft mit Strukturproblemen

Überalterung und ungenutzte Ausbildungsplätze stellen die Pathologie in Österreich vor Herausforderungen. Das bringe auf Dauer Probleme bei Diagnosen, Therapien und im Spitalsbetrieb, warnte Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Laut Eva Maria Compérat, Präsidentin der Gesellschaft für Pathologie (ÖGPath), braucht es etwa 150 Pathologinnen und Pathologen mehr. Bei einer Pressekonferenz forderten sie am Dienstag eine Attraktivierung des Berufsbildes.

“Die Pathologie arbeitet im Hintergrund. Aber sie ist ein wichtiges Scharnier, um das das Geschehen im Spitalsbetrieb schwingt”, sagte ÖÄK-Präsident Steinhart. Die Fachärztinnen und Fachärzte hätten große Verantwortung in der Diagnostik und Therapiewahl und seien beispielsweise tief in die Onkologie eingebunden. Doch das Gebiet kämpfe mit “massiven Strukturproblemen”: In Österreich arbeiten derzeit 365 Ärztinnen und Ärzte in dem Fachgebiet. 62 davon, also etwa 17 Prozent, sind zwischen 60 und 65, weitere 60 sind über 65 Jahre alt. In den kommenden Jahren werde also viel Expertise verloren gehen, erläuterte Steinhart.

Es fehlt an Nachwuchs

Hinzu komme, dass der Anteil der 25- bis 45-Jährigen in dem Feld stagniert. Und es fehlt an Nachwuchs: Von den 160 Ausbildungsplätzen seien nur etwa 80 belegt, ergänzte ÖGPath-Präsidentin Compérat. Da sich die großen Ausbildungsstätten in Wien und Graz befinden, sei der Westen des Landes stärker von den Strukturproblemen betroffen. Damit es in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu keinen Engpässen komme, müssten die bestehenden Plätze gefüllt werden. Denn die Maßnahmen brauchen Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Die Fachleute appellierten an Politik, Krankenkassen und Universitäten, das Berufsbild gemeinsam mit der Ärzteschaft zu attraktiveren.

Beschäftigung mit “Lebenden, nicht mit Toten”

Warum die Ausbildungsplätze leer bleiben, sei laut Compérat unklar. Es könne daran liegen, dass die Pathologie im Studium nicht ausreichend wahrgenommen wird. Vielen Nachwuchsärztinnen und -ärzten sei nicht bewusst, wie breit gefächert das Gebiet ist. Pathologinnen und Pathologen spielen eine zentrale Rolle in der Diagnostik und der Präzisionsmedizin, auch bei Therapiewahl und -kontrolle seien sie eingebunden, insbesondere in der Onkologie. Durch den Fachkräftemangel, aber auch durch Entwicklungen bei Früherkennung und Bildgebung, steige aktuell die Arbeitsbelastung, führte die Medizinerin aus.

In der breiten Bevölkerung werde das Gebiet oft mit der Gerichtsmedizin verwechselt. “Wir sind keine Gerichtsmediziner, die Verbrechen aufklären. Die Pathologie beschäftigt sich zu etwa 98 Prozent mit Lebenden und nicht mit Toten”, sagte Compérat. Viele hatten zudem im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bereits Berührungspunkte mit dem Fach, ohne es zu wissen. Das Gebiet müsse sicht- und hörbarer werden, um junge Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung dafür zu begeistern.