Personalabbau an Unis würde Nachwuchs am stärksten treffen

Die Unis gehen davon aus, dass sie wegen der realen Kürzung ihres Budgets für die Jahre von 2028 bis 2030 mindestens zehn Prozent einsparen müssen. Am stärksten trifft es den Personalbereich, mit zwei Drittel der bei Weitem größte Budgetbrocken. Die Universitätenkonferenz (uniko) hat bereits massiven Stellenabbau angekündigt, vor allem beim wissenschaftlichen Nachwuchs. Auch die Professorenvertretung warnt vor einem “Braindrain” bei jungen Spitzenforschenden.
Die 23 öffentlichen Universitäten bekommen im nächsten Dreijahresbudget 16 Mrd. Euro und damit nominell in etwa so viel wie derzeit, laut uniko hätten sie allerdings allein zur Abdeckung der Teuerung 18 Mrd. Euro gebraucht. Nulllohnrunden bis 2030 für ihre rund 68.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Rektoren – auch mit Blick auf die steigende Inflation und “magere” Gehaltsabschlüsse für 2027 und 2028 – undenkbar. Ohne Inflationsabgeltung durch den Bund hätten Lohnerhöhungen aber “zwangsläufig Kündigungen” zur Folge, so die Warnung von uniko-Präsidentin Brigitte Hütter kurz vor Beschluss des Budgets. Andere Rektoren gingen zuletzt eher davon aus, dass in den nächsten Jahren Pensionierungen oder andere frei werdende Posten nicht oder erst mit Verzögerung nachbesetzt werden.
Mittelbau größte Personalgruppe an den Unis
Einig zeigte man sich in der Einschätzung, dass die Sparmaßnahmen vor allem Nachwuchswissenschafterinnen und -wissenschafter mit befristeten Verträgen treffen werden. Der Mittelbau – also das wissenschaftliche Personal ohne Professur – ist mit 45.300 Forschenden und Lehrenden laut der unidata-Datenbank des Wissenschaftsministeriums die mit Abstand größte Gruppe des Unipersonals, gefolgt vom allgemeinen Personal (21.700) und Professorinnen und Professoren (3.400) (Angaben jeweils in bereinigten Kopfzahlen, Anm.).
Zum Mittelbau gehören so unterschiedliche Gruppen wie wissenschaftliche Mitarbeitende, Lektorinnen und Lektoren, studentische Mitarbeitende oder Jungforschende, die an ihrem Doktorat arbeiten bzw. es gerade abgeschlossen haben und befristet an der Uni angestellt sind (Praedoc bzw. Postdoc). Laut dem aktuellsten Universitätsbericht von 2023 waren zuletzt knapp 80 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals befristet angestellt.
Professoren fürchten um ganze Generation von Spitzenforschern
Beim Verband der Professorinnen und Professoren der österreichischen Universitäten (UPV) geht man davon aus, dass die Gruppe der Postdocs von den aktuellen Budgetkürzungen am härtesten betroffen sein wird – und das “obgleich sie viele und maßgebliche Forschungsleistungen erbringt, international publiziert und zu einem nicht unwesentlichen Teil auch die Pflichtlehre mitsichert”, wie Sprecherin Veronika Somoza gegenüber der APA betonte. Sie befürchtet einen “Braindrain”: “Je nach Ausmaß der Kürzungen in diesem Bereich droht ein massives Ausbluten einer ganzen Generation von Spitzenforschenden.”
Eine zusätzliche Verschärfung könnte aus Sicht der Professoren-Interessensvertretung ausgerechnet eine von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) geplante Gesetzesänderung bringen, die eigentlich die Absicherung von derzeit befristetem Personal verbessern sollte: Die Abschaffung des Paragraf 109 des Universitätsgesetzes, der derzeit – im Gegensatz zum allgemeinen Arbeitsrecht – eine Aneinanderreihung mehrerer befristeter Verträge (Kettenvertragsregelung) bis zu maximal acht Jahren ermöglicht. Danach muss die Person unbefristet angestellt oder das Arbeitsverhältnis beendet werden.
In der Praxis müssten bei einer Abschaffung des 109er die Unis ihr Personal fast ausschließlich unbefristet einstellen, erklärte die UPV-Sprecherin. Damit stünden budgetbedingt in Zukunft nicht nur deutlich weniger Postdoc-Stellen zur Verfügung. Jene Jungforscher, die nach dem Doktorat keine Finanzierung bekommen, müssten bei einem Kettenvertragsverbot gezwungenermaßen die universitäre Forschung und Lehre verlassen und in die Wirtschaft oder ins Ausland wechseln, warnte Somoza. “Letztendlich wäre ein deutlicher Qualitätsverlust des Wissenschaftsstandorts Österreich zu erwarten.”
4.000 Pensionierungen bis 2030
Im Wissenschaftsministerium hatte man die wiederholten Warnungen der Unis vor einem budgetbedingten massiven Personalabbau wiederholt relativiert: An den Unis gebe es Topmanagerinnen und Topmanager und diese seien durchaus in der Lage zu entscheiden, welche Stellen nachbesetzt werden sollten und welche “vielleicht nicht mehr zeitgemäß” seien, spielte Ministerin Holzleitner den Ball zuletzt an die Rektorate zurück. Durch Pensionierungen würden außerdem bis 2030 rund 4.000 Stellen frei.
Das könne auch eine Chance für Jungforscher sein, wurde gegenüber der APA argumentiert: Indem etwa eine Professur nicht nachbesetzt, sondern stattdessen etwa mehrere kostengünstigere Laufbahnstellen eingerichtet werden, könne “das Wegbrechen des wissenschaftlichen Nachwuchs ein Stück weit kompensiert werden”. Dabei müsse man allerdings darauf achten, dass Frauen nicht strukturell benachteiligt werden. Aus Sicht der uniko hätten nicht nachbesetzte Pensionierungen unterdessen vor allem Auswirkungen auf jene, die im System bleiben: Die müssten dann nämlich die entstandenen Lücken füllen.