Polnische First Lady Marta Nawrocka besucht Österreich

06.09.2026 • 15:48 Uhr
Polnische First Lady Marta Nawrocka besucht Österreich

Die polnische First Lady Marta Nawrocka besucht am heutigen Sonntag Österreich. Anlass seien Gedenkfeiern zum 343. Jahrestag der Schlacht bei Wien und zum 43. Jahrestag des Besuchs von Papst Johannes Paul II. auf dem Kahlenberg, teilte das Büro des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki mit. Bei den Feierlichkeiten wurde ein Brief des Präsidenten verlesen. Nawrocki betonte darin, dass die große Schlacht 1683 vor den Toren Wiens einer der Wendepunkte in der Weltgeschichte war.

Nawrocka wurde vom Kabinettschef des Staatsoberhauptes, Paweł Szefernaker, sowie vom Präsidentenberater Jan Józef Kasprzyk nach Wien begleitet, meldete die Nachrichtenagentur PAP. Es handle sich um die dritte alleinige Auslandsreise der 40-Jährigen als First Lady, nach Besuchen in Paris und Washington, berichten polnische Medien. Nach Angaben des Präsidialamtes boten die Gedenkfeiern auf dem Kahlenberg Nawrocka zudem die Gelegenheit, Vertreter der polnischen Gemeinschaft in Österreich zu treffen. Rund 66.600 polnische Staatsbürger leben in Österreich.

Nawrocka begann ihren Besuch am Sonntagvormittag mit der Teilnahme an einer Messe zum Jahrestag der Schlacht bei Wien von 1683. Der Gottesdienst fand in der St.-Josefs-Kirche auf dem Kahlenberg statt. Am frühen Nachmittag nahm die First Lady an einer Gedenkfeier der 11. Panzerkavalleriedivision “König Jan III. Sobieski” teil. Die polnische Präsidentschaftskanzlei veröffentlichte ein Video von den Feierlichkeiten im Online-Netzwerk X. Auch der Brief des Präsidenten, der von seinem Kabinettschef Szefernaker verlesen wurde, wurde veröffentlicht.

Brief des Präsidenten

“Dank des Sieges bei Wien waren unser Herrscher, die unbesiegbaren geflügelten Reiter sowie die polnischen Infanteristen und Artilleristen in aller Munde in ganz Europa und wurden besungen in Liedern, Memoiren und der Malerei”, schrieb Nawrocki demnach. Indem sie damals den Rückzug des Osmanischen Reiches einleiteten, retteten “die polnischen Sieger” Österreich und andere christliche Länder “vor der Eingliederung in einen unterdrückerischen muslimischen Staat – und ebneten langfristig den Weg für die Befreiung der Völker Mittel- und Südeuropas von diesem schweren Joch”, betonte er. Nawrocki erinnerte außerdem daran, dass im Jahr 1983 Papst Johannes Paul II. anlässlich des 300. Jahrestags des Entsatzes Wiens besuchte.

In der Schlacht bei Wien wurden am 12. September 1683 von den polnisch-österreichisch-deutschen Truppen unter dem Kommando von König Jan III. Sobieski die osmanischen Truppen am Wiener Hausberg geschlagen und damit die Zweite Türkenbelagerung der Donaumetropole beendet. Polen hat sich deswegen in der Vergangenheit für ein Denkmal für Sobieski auf dem Kahlenberg eingesetzt, dem aber die Stadt Wien eine Absage erteilte.

Hoffen auf Sobieski-Denkmal

Kasprzyk betonte in einem Gespräch mit Journalisten, dass die Schlacht bei Wien eine Auseinandersetzung war, von deren Ausgang das Schicksal der europäischen Zivilisation abhing. “Seitdem sind der Kahlenberg und die St.-Josef-Wallfahrtskirche zu einem Ort der polnischen Präsenz im europäischen Raum geworden, der an diesen Sieg erinnert, ohne den es kein lateinisches Europa gäbe”, betonte er. Auf die Frage nach einem Sobieski-Denkmal auf dem Kahlenberg betonte er, dass er daran glaube, dass diese Angelegenheit eines Tages zu einem positiven Ergebnis führen werde, obwohl die Wiener Behörden bisher keine Zustimmung zu dessen Errichtung erteilt hätten.

Wien hatte dem Denkmal 2024 eine endgültige Absage erteilt. Die Stadt Wien werde “keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze und das Schüren von islamfeindlichen und antitürkischen Ressentiments instrumentalisiert werden kann”, hatte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) mitgeteilt. Wien habe ein würdiges Erinnerungszeichen bereits errichtet, verwies die Stadträtin auf den im Jahr 2013 aufgestellten Sockel für das geplante Denkmal, der fünf Jahre später durch eine Inschrift im Sinne der Völkerverständigung ergänzt wurde. Damals hatte die Stadt Wien die Aufstellung eines in Polen gegossenen Reiterstandbilds für Sobieski abgelehnt. Scharfe Kritik an der Entscheidung Kaup-Haslers kam von FPÖ und ÖVP.

Eine österreichisch-polnische Historikerkommission hatte stattdessen ein “Friedens- und Allianzdenkmal” vorgeschlagen, um an die Leistungen Sobieskis und die erfahrene Solidarität zu erinnern. Die im September 2018 angebrachte Inschrift stellt die Schlacht als “Kulminations- und Wendepunkt eines Ringens zweier Imperien” dar und erinnert an die über 50.000 Todesopfer der Kämpfe. “Möge dieses Ereignis in Erinnerung bleiben, um an ein friedliches Zusammenleben der Menschen in Europa zu gemahnen!”