Prozess gegen Stronach: Weitere Anklagepunkte entfallen

02.04.2026 • 10:56 Uhr
Prozess gegen Stronach: Weitere Anklagepunkte entfallen

Der österreichisch-kanadische Magna-Gründer Frank Stronach sieht sich im Prozess wegen mehrerer vorgeworfener Sexualdelikte nur noch mit fünf statt ursprünglich zwölf Anklagepunkten konfrontiert. Die zuständige Richterin Anne Molloy am Ontario Superior Court stufte zentrale Aussagen einer Klägerin als unzuverlässig ein. Eine Verurteilung auf deren Basis komme daher nicht in Betracht, berichtete unter anderem der kanadische Sender “CBC” am Mittwoch (Ortszeit).

Die entsprechenden Anklagepunkte betrafen laut dem Medienbericht Vorwürfe der Vergewaltigung und des sexuellen Übergriffs (“indecent assault”). Eine der Frauen hatte ausgesagt, von Stronach in dessen Wohnung in Toronto vergewaltigt worden zu sein. Stronach selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe. Bereits während der Schlussplädoyers hatte die Richterin Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen der Frau geäußert. Stronachs Anwältin Leora Shemesh argumentierte, die Darstellung der Klägerin sei von Widersprüchen geprägt und habe sich mehrfach verändert. Unter anderem habe sie den mutmaßlichen Tatzeitpunkt zunächst mit ihrem 21. Geburtstag im Jahr 1980 angegeben, später jedoch eingeräumt, dass es auch ein anderer Zeitpunkt gewesen sein könnte, nachdem die Verteidigung für den Zeitraum einen Auslandsaufenthalt Stronachs nachgewiesen habe.

Die kanadische Staatsanwaltschaft versuchte dem Medienbericht zufolge, die Unstimmigkeiten als nebensächlich darzustellen und verwies darauf, dass sich die Klägerin nie eindeutig auf ein Datum festgelegt habe. Dem widersprach die Richterin und betonte, die Frau habe den Zeitpunkt sehr wohl klar benannt. Auch weitere Angaben etwa zu einer angeblichen Tätigkeit in Stronachs Reitstall seien durch Aussagen von Entlastungszeugen in Zweifel gezogen worden.

Nur noch fünf Anklagepunkte übrig

Im Verlauf des Prozesses hatte die Staatsanwaltschaft bereits fünf Anklagepunkte fallen gelassen, die drei der sieben Klägerinnen betrafen. Nach deren Einvernahmen vor Gericht entschied die Staatsanwaltschaft, dass die Beweise nicht ausreichten, um die Vorwürfe weiter zu verfolgen, wie mehrere kanadische Medien berichteten. Die Verteidigung forderte dagegen, dass Stronach in diesen Punkten freigesprochen werden müsse. Mit der Einschätzung der Richterin fällt nun ein weiterer Teil der Anklage weg. Nur noch fünf Anklagepunkte in Bezug auf drei Frauen sind übrig.

Bei dem Verfahren in Toronto handelt es sich um den ersten von zwei Prozessen, denen sich der 93-jährige Steirer heuer stellen muss. Laut mehreren kanadischen Medien erhoben insgesamt dreizehn Frauen Vorwürfe gegen Stronach. Beim Prozess in Toronto geht es wie berichtet um die Vorwürfe von sieben der 13 Frauen. Die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket (Ontario) behandelt werden. Stronach bestreitet die Vorwürfe.

Vorwürfe reichen bis in die 70er-Jahre zurück

Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.