Prozess gegen weiteren Cousin von Assad startet in Syrien

24.06.2026 • 20:10 Uhr

In Syrien hat im Zuge der Aufarbeitung der Verbrechen der Regierung von Bashar al-Assad der Prozess gegen einen Cousin des gestürzten Machthabers begonnen. Wassim al-Assad erschien am Mittwoch mit kahlrasiertem Kopf und sichtlich abgemagert auf der Anklagebank in einem Gericht in Damaskus, wie auf Aufnahmen des syrischen Staatsfernsehens zu sehen war. Laut Anklageschrift wird ihm vorgeworfen, Anfang 2011 zwei bewaffnete Gruppen gegründet und geleitet zu haben.

Wassim al-Assad soll den Gruppen “Waffen, Munition, Geld und logistische Unterstützung” zur Verfügung gestellt haben. Die beiden Gruppen sollen an Einsätzen in Ost-Ghouta in der Nähe von Damaskus beteiligt gewesen sein, das bis 2018 als Oppositionshochburg galt. Bei den Einsätzen sei eine “große Zahl von Zivilisten getötet worden”, hieß es in der Anklageschrift.

Die dem Cousin des Ex-Präsidenten zur Last gelegten Taten fielen unter “Kriegsverbrechen” und “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”, erklärte der Richter. Die Verhandlung wurde teilweise im staatlichen Fernsehen übertragen. Dem Angeklagten werden zudem “Aufrufe zum Mord und zur Gewalt” zur Last gelegt sowie “Schmuggel und Drogenhandel in Syrien und im Ausland und die Ausnutzung seiner Zugehörigkeit zur Assad-Familie zu Zwecken der Plünderung und Erpressung”, fügte der Richter hinzu.

Aufnahmen im Luxusauto

In den Jahren vor dem Sturz Bashar al-Assads im Dezember 2024 hatte dessen Cousin Videos veröffentlicht, die ihn am Steuer von Luxusautos zeigten – teilweise bewaffnet und in Militäruniform. In den Videos war Wassim al-Assad auch von bewaffneten Männern umgeben, die er aufforderte, an der Seite des damaligen Machthabers zu kämpfen.

Die neue syrische Führung will die früheren Verantwortlichen von Assads Sicherheits- und Regierungsapparat zur Verantwortung ziehen. Der Prozess gegen den Ex-Machthaber und dessen Umfeld wurde im April eröffnet. Als einziger Angeklagter erschien der frühere Geheimdienstchef der südsyrischen Provinz Deraa, Atef Najib, in Damaskus persönlich vor Gericht. Assad war nach seiner Entmachtung nach Russland geflohen.

Landesweit kommt es derzeit zu Demonstrationen, bei denen eine Beschleunigung der Gerichtsverfahren und Rechenschaft für die Anhänger Assads gefordert wird. Während des 13-jährigen Bürgerkriegs in Syrien wurden mehr als eine halbe Million Menschen getötet. Ende 2024 stürzten Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz den langjährigen Machthaber Assad. Der ehemalige HTS-Anführer Ahmed al-Sharaa führt die derzeitige syrische Übergangsregierung an.