Prozess um Nord-Stream-Anschlag beginnt in Hamburg

14.10.2026 • 05:56 Uhr
Prozess um Nord-Stream-Anschlag beginnt in Hamburg

Rund vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee muss sich erstmals einer der mutmaßlichen Täter vor Gericht verantworten. Am Mittwochvormittag beginnt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg der Prozess gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhij K.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, als Offizier der ukrainischen Armee zivile Ziele angegriffen und damit Kriegsverbrechen begangen zu haben. Zudem ist er wegen der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen, der Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe angeklagt.

Anwalt: Beschuldigter wird Aussage verweigern

Der Beschuldigte werde laut Angaben seines Anwalts Jes Meyer-Lohkamp die Aussage verweigern. Zudem kündigte der Anwalt an, eine Einstellung des vor dem Hamburger Oberlandesgericht beginnenden Verfahrens zu beantragen. “Wer meinem Mandanten die Aussagegenehmigung verweigert, nimmt ihm die Möglichkeit, sich wirksam zu verteidigen”, sagte Meyer-Lohkamp dem Magazin “Stern”.

Hintergrund ist demnach eine Ankündigung von K.s früherem Kommandanten Roman Tscherwinskyj, der die Sabotage an der Pipeline im Frühjahr 2022 maßgeblich vorangetrieben haben soll. In einer eidesstattlichen Versicherung an die deutschen Behörden erklärte er laut “Stern”: Als damaliger Angehöriger seiner geheim operierenden Einheit dürfe der Angeklagte K. auch vor Gericht nicht darüber sprechen, was er im Auftrag dieser Einheit getan oder nicht getan habe. Andernfalls drohten ihm in der Ukraine mehrere Jahre Haft.

Die Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen hatten im September 2022 – wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Entsprechend groß ist auch das Interesse an dem Prozess in Hamburg.

Angeklagter soll Sprengkommando geführt haben

Serhij K. soll laut Anklage zusammen mit weiteren Militärangehörigen und im Auftrag staatlicher Stellen der Ukraine den Plan entwickelt haben, die von Russland durch die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern verlaufenden Erdgasleitungen zu zerstören. Ziel sei es gewesen, zu verhindern, dass Russland Einnahmen aus dem Gashandel zur Finanzierung des Angriffskrieges nutzt.

Unter der Führung des Angeklagten soll ein Kommando aus mehreren Berufstauchern, einem Skipper und einem Sprengstoffexperten größere Mengen militärischer Hochleistungssprengstoffe mit einer in Rostock gecharterten Segeljacht in die Gewässer vor der dänischen Insel Bornholm gebracht haben. Dort seien dann mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den am Meeresgrund verlaufenden Gasleitungen angebracht worden. Bei ihrer Zündung am 26. September 2022 wurden die beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 schwer beschädigt. Insgesamt gab es vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen.

Serhij K. war Ende August 2025 auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls an der italienischen Adria-Küste im Urlaub mit seiner Familie festgenommen und drei Monate später nach Deutschland überstellt worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.