Rangnicks ÖFB-Team auf “Wiese” im Kosovo gefordert

Österreichs Fußball-Nationalteam kann am Sonntag (18.00 Uhr/live ORF 1) in Prishtina in der Nations League einen großen Schritt in Richtung Rückkehr in die höchste Liga A machen. Das Heimspiel gegen den vom früheren ÖFB-Teamchef Franco Foda betreuten Kosovo hatte die Auswahl von Ralf Rangnick vor einer Woche in Wien 3:1 gewonnen. Eine Rolle werde laut Rangnick der schlechte Rasen im Fadil-Vokrri-Stadion spielen. “Das ist bestenfalls eine Wiese, wenn nicht sogar ein Acker.”
Erste Bekanntschaft mit dem Geläuf machte die ÖFB-Auswahl Samstagmittag beim Abschlusstraining in der kosovarischen Hauptstadt. “Ich habe selten so einen ungepflegten Platz gesehen wie den hier”, sagte Rangnick. “Auf dem Level sollten Plätze um die Jahreszeit anders aussehen. Es ist schwer zu verstehen, wir kommen aus einer guten Wetterperiode. Aber wir werden versuchen, das Beste daraus zu machen und mit unserer Spielweise am Ende erfolgreich zu sein.”
Die Platzverhältnisse würden im Nachhinein auch erklären, warum bei Kosovos Heimspiel gegen Irland (1:0) in der Vorwoche so viele Schüsse neben das Tor gegangen seien. “Ich sage das nicht, weil ich mich aus österreichischer Sicht beklage”, betonte Rangnick. “Das betrifft beide Mannschaften. Der Kosovo hat eine technisch sehr gute Mannschaft. Es wird eine Rolle spielen, wer mit diesen Verhältnissen besser klarkommt.” Der Matchplan werde aufgrund der äußeren Umstände “ein bisschen anders aussehen”, verriet der Teamchef.
Alexander Schlager kehrt ins Tor zurück
Anstelle von Florian Wiegele, der beim 2:2 zuletzt in Irland sein zweites Länderspiel absolviert hatte, wird laut Rangnick wieder WM-Goalie Alexander Schlager im Tor stehen. Im Sturmzentrum will sich der ÖFB-Coach zwischen Michael Gregoritsch und Junior Adamu entscheiden. “Sasa Kalajdzic wird sicher nicht von Anfang an spielen.” Rangnick begründete das mit dessen 95-minütigem Einsatz zuletzt in Dublin. “Damit hat er wahrscheinlich in einem Spiel mehr gespielt als in allen Spielen zusammen, seit er wieder beim LASK ist.”
Im Mittelfeld-Zentrum waren Xaver Schlager und Nicolas Seiwald zuletzt gesetzt, auch Konrad Laimer drängt nach seinem Comeback in Irland ins Team. Ihre Plätze in der Startformation sicher haben dürften der in Dublin gesperrte Kevin Danso und Offensivmann Patrick Wimmer. Das Abschlusstraining machten alle 23 Kaderspieler mit. Ein kleines Fragezeichen steht laut Rangnick hinter Carney Chukwuemeka. Beim Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund habe in Irland zur Pause der Muskel zugemacht. “Da müssen wir schauen, ob es zu 100 Prozent geht.”
Resilienz gefragt
Offen ließ Rangnick, ob er mit Felix Bacher auch dem letzten in einem der bisherigen Nations-League-Spiele nicht eingesetzten Feldspieler zu seinem Debüt verhilft. “Er macht einen sehr fokussierten, aber auch bodenständigen Eindruck”, sagte der Deutsche über den Tiroler, der in der Innenverteidigung von Olympique Lyon Stammspieler ist. Auch als Mensch und Charakter komme Bacher sehr gut in der Mannschaft an. “Es ist gut möglich, dass er zum Einsatz kommt.”
Im Hinspiel hatte Adamu als Solospitze begonnen und sein erstes Länderspieltor erzielt. “Da hatten wir mehr Spielanteile und mehr Torchancen, waren aber trotzdem auch sehr effizient. Hier wird es sicherlich anspruchsvoller”, meinte Rangnick. “Es kann sein, dass das Spiel länger unentschieden steht, dass man ein Stück Geduld braucht, dass es darum geht, dass man gewisse Dinge auch aushalten muss.” Der Platz werde im Spielverlauf sicher nicht besser werden. Rangnick: “Es wird wichtig sein, dass wir beharrlich dranbleiben und die richtigen Mittel finden.”
ÖFB-Team mit guter Ausgangsposition
Mit einem Sieg wären die Österreicher in den beiden abschließenden Runden im November vom Kosovo nicht mehr zu überholen. Verliert Irland dann im Anschluss (20.45 Uhr) in Backa Topola gegen Israel nicht, wäre der ÖFB-Auswahl zumindest der zweite Gruppenrang schon sicher – und damit neben einem Platz im Aufstiegs-Play-off im März auch einer im zweiten Topf für die Auslosung der EM-Quali-Gruppen am 6. Dezember in Belfast. Den ersten Lostopf, aus dem man in der vergangenen WM-Quali gezogen worden ist, kann Österreich nicht mehr erreichen.
“Natürlich wäre es aus unserer Sicht wichtig und toll, wenn wir den Lehrgang mit einem Sieg abschließen könnten”, sagte Rangnick. Dasselbe treffe aber auch auf Franco Foda und dessen Team zu. “Auch für sie ist es ein extrem wichtiges Spiel.” Bei einem Remis würden die Österreicher ebenfalls noch sicher als Tabellenführer ins November-Double gehen. Nicht zu verlieren sei laut Rangnick das oberste Ziel. “Aber unsere Spielweise ist nicht darauf ausgerichtet, auf Unentschieden zu spielen.”
Das ÖFB-Team wird von mehr als 500 mitgereisten Anhängern unterstützt, 450 davon im Auswärtsfansektor. Das Stadion im Stadtzentrum von Prishtina ist mit knapp 13.000 Zuschauern ausverkauft. Von seinen vergangenen elf Heimspielen hat der Kosovo nur eines verloren – das Play-off-Finale um die WM-Teilnahme Ende März gegen die Türkei (0:1). Die Österreicher haben in ihren jüngsten zwölf Länderspielen allerdings ebenfalls nur bei der WM gegen die späteren Finalisten Argentinien (0:2) und Spanien (0:3) Niederlagen kassiert.