Raum, Macht, Erinnerung: Torkwase Dyson im Kunsthaus Bregenz

15.10.2026 • 13:37 Uhr
Raum, Macht, Erinnerung: Torkwase Dyson im Kunsthaus Bregenz

Die Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson kreisen um die Frage, wie Menschen, insbesondere Schwarze Menschen in Nordamerika, Räume erleben, sich aneignen und für Selbstbestimmung nutzen können. Die multimedial arbeitende Malerin zeigt bis 24. Jänner in ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Österreich im Kunsthaus Bregenz (KUB) bemalte Skulpturen, ins Dreidimensionale gehende Gemälde und eine Stop-Motion-Animation.

Im Erdgeschoß des KUB dominieren zwei große keilförmige Monolithen den Raum, die die Künstlerin “Hypershapes” nennt. Ein Element spannt sich zwischen Boden und Decke auf, das andere endet spitz zulaufend knapp über dem Boden. Die beiden Pappelholzskulpturen, gefertigt im Bregenzerwald, durchtränkte die Künstlerin in tagelanger Arbeit mit schwarzer Lasur. Das Schwarz schreibt sich auf diese Weise ins Material ein, der Schwere ihrer Themen entsprechend. Die Arbeiten korrespondieren mit Dysons Beitrag zur aktuellen Biennale Venedig, für die sie in gleicher Technik ebenfalls schwarze, da aber scheibenförmige Elemente in Szene setzte.

Dyson passte Werke an das KUB an

Einige der Werke, die in Bregenz zu sehen sind, stellte die Künstlerin erst an Ort und Stelle fertig, bereits an der Wand hängend. “Ich hatte hier die Möglichkeit, mit dem Raum und mit dem Licht zu arbeiten”, so die aus Chicago stammende und in New York lebende Künstlerin am Donnerstag bei einer Presseführung. Auf diese Weise könnten ihre Arbeiten auf die Architektur des Zumthor-Baus antworten, ihre geometrischen Formen in den Raum ausgreifen. Für KUB-Direktor Thomas D. Trummer entstand dadurch “etwas ganz Spezifisches”, unmittelbar angepasst an den Ort.

So leuchten mehrere großformatige Gemälde im obersten, von Tageslicht gefluteten KUB-Geschoß in Blau- und Schwarztönen. Die unbetitelten Acrylbilder stellen laut Dyson Abstraktionen von Wasserwegen und Orten dar, die Schauplätze kolonialer Traumata waren. Zugleich erinnern sie an Sternbilder, die Menschen auf der Flucht in die Freiheit seit jeher zur Orientierung dienten. Unbestimmtes, zufällig Gewordenes steht bei Dyson in Kontrast mit organisierten Linien, die begrenzen, abteilen, einschränken. Im KUB ausgestellt sind zudem rechteckige und runde Werke aus der “Bird and Lava” betitelten Gemäldeserie, bestehend aus zahlreichen Schichten Acryl und Tinte, in Schwarz und Blau gehalten. Teilweise sind ihnen Baumwollfäden eingearbeitet.

Die studierte Soziologin untersucht in verschiedenen Medien, wie herrschende Machtverhältnisse in Architektur und Geografie, kommend aus Sklaverei, Kolonialismus und Kapitalismus, bis heute in gesellschaftliche Strukturen und Prozesse einwirken und wie sich historische Geschehnisse in Orte einschreiben. Augenscheinlich wird das in ihrer namenlosen, auf den Boden projizierten Stop-Motion-Animation, die im zweiten Obergeschoß ganz in schwarz-weiß eine abstrahierte Geschichte von Werden und Vergehen, Verdrängen und Weichen, Freiheit und Repression erzählt.

(S E R V I C E – Ausstellung Torkwase Dyson im Kunsthaus Bregenz, 17. Oktober bis 24. Jänner, Eröffnung am 16. Oktober, 19 Uhr. Weitere Informationen unter )