Russell-Pole in Spielberg vor Ferrari-Duo

27.06.2026 • 18:47 Uhr

Mercedes-Pilot George Russell hat sich nach einem Flaggen-Wirrwarr die Poleposition für den Großen Preis von Österreich am Sonntag (15.00 Uhr/live ServusTV, Sky) gesichert. Der britische Formel-1-Fahrer fing in den letzten Sekunden des Qualifyings auf dem Red Bull Ring in Spielberg seinen Ferrari-Konkurrenten Charles Leclerc noch ab. Auf den dritten Platz kam Lewis Hamilton im zweiten Ferrari. Russells Teamkollege Kimi Antonelli landete auf dem vierten Platz.

Russell fuhr eine Zeit von 1:06,113 Minuten und schlug Leclerc damit um zwei Zehntel. Nach einem Ausritt von Red-Bull-Pilot Max Verstappen in der vorletzten Kurve gab es eine kurze Untersuchung, ob Russell die auf den Zwischenfall folgende Gelbe Flagge womöglich missachtet hatte und nicht vom Gas gegangen war. Es wurde jedoch kein Vergehen festgestellt.

Einfach oder doppeltes Gelb?

“Ich habe die Gelbe Flagge gesehen und dann ordentlich gelupft. Ich war zuerst fünf Zehntel vorne, am Ende hatte ich zweieinhalb Zehntel Vorsprung. Das sollte also reichen”, erklärte Russell nach seiner vierten Saison-Pole. Es sei “etwas ganz Besonderes” gewesen, diese Runde zu fahren. Mercedes-Teamboss Toto Wolff sagte sofort, dass Russell keinen Fehler gemacht habe. “Das war die Pole-Runde, es war eine unglaubliche Runde, und ich freue mich wirklich sehr für ihn”, meinte der Wiener.

Antonelli brach seine letzte Runde hingegen ab und vergab damit die mögliche Chance auf die Poleposition. “Ich weiß nicht warum, aber ich dachte, es war Doppel-Gelb. Deshalb habe ich die Runde abgebrochen und die erste Startreihe verpasst. Ich hätte das nicht machen sollen, es war mein Fehler”, sagte der Teenager. Der Abstand zu Russell sei sehr knapp gewesen. Bei Doppel-Gelb müssen die Fahrer umgehend drastisch die Geschwindigkeit reduzieren und sich sogar darauf vorbereiten, das Auto abzustellen. Danach gesetzte Quali-Rundenzeiten würden gestrichen. Bei einer einfachen Gelben Flagge müssen die Fahrer ebenfalls vom Gas gehen, Rundenzeiten bleiben aber bestehen.

Es könne grundsätzlich vorkommen, “dass der Renndirektor per Knopfdruck sagt ‘double yellow’, der physische Streckenposten wachelt in der Hitze des Gefechts aber mit einer und nicht mit zwei, bis er den Funkspruch hört, versteht und das tut. Es ist genau dieses kleine Fenster, wo das passiert ist”, vermutete Ex-F1-Pilot Alexander Wurz.

Verstappen rutschte über Kiesbett

Bei 33 Grad Celsius in der Luft und 52 Grad Streckentemperatur zu Beginn des Qualifyings schenkten sich die Topteams der Motorsport-Königsklasse nichts und warfen einander die Rundenzeiten um die Ohren. Als Favorit für den besten Startplatz kristallisierte sich aber nichtsdestotrotz Antonelli schnell heraus. Der fünfmalige Spielberg-Sieger Verstappen hatte es nur um Haaresbreite in den letzten Quali-Abschnitt geschafft, war dann aber auf einer starken Runde unterwegs, ehe er die Kontrolle über sein Auto verlor und über das Kiesbett rutschte.

“Die letzte Runde war schon nicht ganz normal”, meinte Verstappen danach im Interview. “Natürlich bist du dann vielleicht ein bisschen mehr am Limit, aber dass es (das Auto; Anm.) so weggegangen ist, das verstehe ich immer noch nicht.” Das Team müsse den Hergang analysieren, ob es vielleicht ein technisches Problem im Hintergrund gegeben habe.

Ferrari zufrieden trotz verpasster Pole

Der Niederländer musste sich mit dem fünften Rang begnügen, dahinter folgten die beiden McLaren von Vorjahressieger Lando Norris und Oscar Piastri. In der WM-Gesamtwertung führt der 19-jährige Antonelli vor dem achten von 22 Saisonrennen 41 Punkte vor Hamilton und 50 Zähler vor Russell.

Zufrieden und immerhin etwas optimistisch zeigte man sich im Lager von Ferrari, wo man einer verpassten Leclerc-Pole nicht lange nachtrauerte. Die letzten Wochenenden waren ziemlich hart, deshalb wollte ich einfach nur eine fehlerfreie Session hinlegen. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich bis zum Qualifying nicht gedacht, dass wir aus der ersten Startreihe starten würden – das ist also eine totale Überraschung”, sagte Leclerc, der sein bestes Quali-Resultat des Jahres einfuhr. “Dass die beiden Ferraris auf den Plätzen zwei und drei liegen, ist fantastisch”, bekundete Hamilton, der das vorangegangene Rennen in Spanien gewonnen hatte.

Spektakuläre Bilder wird es am Sonntag so oder so geben. Denn erstmals wird eine spezielle, von niederländischen Entwicklern (Dutch Drone Gods) erschaffene Drohne mit einem Topspeed von 350 km/h für die TV-Übertragung am Red Bull Ring zum Einsatz kommen.