Russell gewinnt Zandvoort-Sprint – Pole an Norris
Mercedes-Pilot George Russell hat im WM-Kampf der Formel 1 mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg im Zandvoort-Sprint wieder Selbstvertrauen gesammelt. Der Engländer gewann am Samstag das kurze Rennen vor Ferrari-Fahrer Charles Leclerc und Weltmeister Lando Norris im McLaren. Im Qualifying wenig später sicherte sich Norris die Pole Position für den Großen Preis der Niederlande am Sonntag (15.00 Uhr/live ServusTV und Sky) knapp vor Russell und WM-Leader Kimi Antonelli.
Mit seinem dritten Sprint-Erfolg der Saison verkürzte Russell seinen Rückstand auf seinen 19-jährigen Teamkollegen Antonelli, der im zweiten Mercedes Vierter wurde, um drei Punkte auf 56 Zähler. Red-Bull-Pilot Max Verstappen belegte hinter Oscar Piastri im McLaren den sechsten Platz. Sein Interims-Teamkollege Liam Lawson, der im Red Bull den am Handgelenk verletzten Isack Hadjar vertritt, wurde Elfter. Der WM-Zweite Lewis Hamilton musste sich im Ferrari mit dem siebenten Rang begnügen und liegt nun 53 Punkte zurück.
Norris startet vor Mercedes-Duo
Im Qualifying drehte Norris in 1:11,163 Min. die schnellste Runde vor Russell (+0,102) und Antonelli (+0,133). Damit darf der Titelverteidiger auf den zweiten GP-Sieg hintereinander hoffen. Vor der Sommerpause hatte der Engländer in Ungarn triumphiert. “Viel besser geht’s nicht. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen überrascht”, sagte Norris, nachdem er mit einer “sauberen Runde” seine 18. Karriere-Pole eingefahren hatte. Ein gutes Omen für den Weltmeister: Die vergangenen fünf Rennen in Zandvoort wurden immer vom ersten Startplatz aus gewonnen.
Russell hofft dennoch, seine aufsteigende Form mit einem weiteren Sieg bestätigen zu können. “Ich bin zufrieden mit P2. Vor allem deshalb, weil die letzten Rennen vor der Sommerpause recht schwierig für mich waren. Jetzt bin ich wieder im Rhythmus”, sagte der WM-Mitfavorit, womöglich beflügelt von der Verlobung mit Partnerin Carmen Montero Mundt. “Ich fühle mich im Moment sehr wohl.” Mercedes-Boss Toto Wolff bewertete die Ausgangsposition seiner Schützlinge als “nicht so schlecht”.
Antonelli-Ärger über Patzer
Antonelli erlebte im Qualifying aber erneut eine “schwierige Session”, nachdem er in der Sprint-Quali tags zuvor ins Kiesbett gerast war. Der Teenager ärgerte sich zudem über einen Patzer im letzten Versuch. “Ich habe in der ersten Kurve einen Fehler gemacht. Schade, ich hätte Chancen auf die Pole gehabt”, sagte Antonelli. Wolff gab dem Youngster einen klaren Auftrag mit auf den Weg: “Er muss nach vorne. George rückt näher, Lewis ist auch nicht weit weg. Punkten, punkten, punkten”, sagte der Wiener auf ServusTV.
Knapp hinter dem Mercedes-Duo reihte sich Vorjahressieger Piastri (+0,142) ein. “Im Sprintrennen haben wir gesehen, dass Mercedes und Ferrari ein bisschen schneller waren als wir”, analysierte McLaren-Teamchef Andrea Stella. “Aber die Abstände sind klein. Ferrari hat im Qualifying nicht alles herausgeholt.” Die beiden Ferraris von Hamilton (+0,331) und Leclerc (+0,395) stehen in der dritten Startreihe, die beiden Red Bulls von Verstappen (+0,455) und Lawson (+0,570) gehen von den Positionen sieben und acht ins Rennen.
Letztes Heimrennen für Verstappen
“Wir sind zu langsam. Aber du weißt nie, was im Rennen passiert”, sagte Verstappen. Für den Lokalmatador, der seinen Vertrag beim Austro-Rennstall bis 2030 verlängert hat, wird es vorerst sein letztes Heimrennen vor der “Orange-Army” werden. Der Traditionskurs in Zandvoort, der erst 2021 sein Comeback in der Motorsport-Königsklasse gefeiert hatte und bei den Fahrern sehr beliebt ist, scheint ab der kommenden Saison nicht mehr im Rennkalender der Formel 1 auf. “Es ist eines der besten Events. Hoffentlich können wir eine gute Show liefern”, sagte Norris.
Im Sprint über 24 Runden, dem ersten Rennen nach der vierwöchigen Sommerpause, hatte Russell seine Spitzenposition nach dem Start problemlos verteidigt. Dahinter verbesserte sich Antonelli um eine Position auf Rang vier. Kurz vor Rennende auf dem Dünenkurs an der Nordsee-Küste, wo Überholmanöver ein schwieriges Unterfangen sind, ging Leclerc noch an Norris vorbei. Ein Regenschauer in der letzten Runde hatte keine Auswirkungen mehr. “Eine Runde mehr und es hätte Chaos gegeben”, sagte Russell erleichtert. Auch beim Qualifying setzte der Regen unmittelbar vor dem Ende der Session ein, änderte aber ebenfalls nichts mehr am Resultat.