Mehrere Verletzte bei russischen Angriffen auf die Ukraine
Russland hat in der Nacht zum Sonntag die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der städtischen Militärverwaltung drei Menschen verletzt. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, herabfallende Trümmer hätten in einem nördlichen Vorort in einem Gewerbegebiet ein Feuer ausgelöst. Mehrere Autos stünden in Flammen.
Zudem sei ein weiteres Feuer in einem Gebiet südlich des Stadtzentrums ausgebrochen. In der Stadt waren Explosionen zu hören. Zuvor war nach 02.00 Uhr nachts (Ortszeit) zweimal für jeweils etwa eine halbe Stunde Luftalarm ausgelöst worden.
Der Gouverneur der Region Kiew, Tymur Tkatschenko, teilte mit, bei Drohnenangriffen im Umland seien drei weitere Menschen verletzt worden, darunter ein Kind. Russland hat in den vergangenen Wochen seine Luftangriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte verstärkt. Klitschko forderte die Einwohner der Millionenstadt Kiew auf, in ihren Schutzräumen zu bleiben.
Ein Toter bei Drohnenangriff auf Region Moskau
Russland meldete unterdessen massive ukrainische Drohnenangriffe auf die Region Moskau. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin griff die Ukraine die russische Hauptstadt in der Nacht mit rund 600 Drohnen an. Davon seien 201 in der Region Moskau von der Luftabwehr zerstört worden, schrieb Sobjanin auf der Plattform Telegram. Die meisten Drohnen seien bereits vorher beim Anflug auf die Region abgewehrt worden, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Bürgermeister.
Es habe sich um einen der größten Angriffe auf die Region gehandelt, teilte der Gouverneur der Region, Andrej Worobjow, auf Telegram mit. Demnach wurde ein 83-jähriger Mann in der Stadt Podolsk getötet, wo ein Lagerhaus des größten russischen Online-Händlers Wildberries getroffen worden sei. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden. Schäden seien zudem an mehreren anderen Standorten entstanden, darunter an einem Lagerhaus in der Stadt Domodedowo nahe einem der Moskauer Hauptflughäfen.
Der ukrainische Angriff auf Moskau schien eine der größten bisherigen Angriffswellen Kiews zu sein. Ende Juli etwa berichteten russische Behörden von 390 Drohnen in einer Nacht, Anfang Juli waren es 452 gewesen.
Ukraine ballistischen Raketen mangels Abwehrmunition ausgeliefert
Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram in der Nacht auf Sonntag auch von Angriffen mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen auf andere Landesteile in der Ukraine, unter anderem auf die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih. Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte zuletzt verstärkt.
Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Abfangraketen, um sie effektiv einzusetzen.
Die Angaben der Kriegsparteien konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Für Gegenangriffe auf russisches Gebiet nutzt Kiew vor allem Drohnen.