Salzburg-Favorit Kosky: “Da werde ich zur jüdischen Nonne”

12.08.2026 • 12:38 Uhr
Salzburg-Favorit Kosky: "Da werde ich zur jüdischen Nonne"

In Salzburg nähert sich das Kochwasser in der Gerüchteküche zur Intendantenfrage langsam dem Siedepunkt – und mit Regisseur Barrie Kosky übt sich einer der als Topfavorit Gehandelten in der Kunst des Schweigegelübdes. Er werde nicht verraten, ob er sich beworben oder auch nur Interesse habe, zeigte sich der 59-Jährige im Interview mit “News” als Sphinx: “Da schweige ich wie eine Karmeliterin im Kloster, da werde ich zur jüdischen Nonne. Meine Lippen sind versiegelt.”

Ganz so versiegelt sind die Lippen des einstigen Intendanten der Komischen Oper in Berlin bezüglich der Aufgaben einer künftigen Intendanz aber doch nicht: “Wer immer der nächste Leiter der Festspiele ist, muss sich fragen: Was brauchen die Festspiele? Das geht nur Hand in Hand mit der Politik, mit Respekt, Vertrauen und Transparenz.” Und er könne aus seiner Erfahrung in Berlin sagen: “Es gibt immer einen Weg, mit unterschiedlichen Politikern zu kommunizieren, um sich ein gemeinsames Ziel zu geben. Nämlich die beste Kulturlandschaft aufzubauen, die man sich vorstellen kann.”

“Was in Salzburg geschah, ist problematisch, aber vorbei”

Die Zeit zum Rückblick auf die Vorgänge zwischen dem Festspiel-Kuratorium und dem geschassten Intendanten Markus Hinterhäuser sei jedenfalls vorüber: “Was in Salzburg geschah, ist problematisch, aber das ist vorbei.” Es gelte, nach vorne zu blicken: “Jetzt haben wir neue Zeiten, die uns in jeder Hinsicht fordern, und im Fall von Salzburg noch dazu einen großen Umbau. Das bedeutet, man muss, wer auch immer die Festspiele dann leitet, neue Gebäude finden, neue Ideen haben.”

Sollten sich Koskys Lippen zumindest hinter den Kulissen entsiegeln und der gebürtige Australier tatsächlich den Festspiel-Thron erklimmen, dürfte der wegen seines Schweigens zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine umstrittene Dirigent Teodor Currentzis wohl auch in der Post-Hinterhäuser-Ära auf Engagements in Salzburg hoffen: “Ich bin dagegen, in dieser gefährlichen Zeit einen Künstler zu zwingen, sich politisch zu äußern. Teodor hat das Recht, seine Lippen zu versiegeln.”

Hearings sollen nach dem Sommer stattfinden

In Salzburg läuft nach dem vorzeitigen Ende der Intendanz von Hinterhäuser die Suche nach der Nachfolge, während interimistisch Karin Bergmann bis Herbst 2027 das Renommierfestival führt. Vier Frauen und 17 Männer hatten sich innerhalb der Frist um die künstlerische Leitung der Festspiele beworben. Die Hearings mit den Aussichtsreichsten will die von Christian Kircher geleitete Findungskommission nach den heurigen Festspielen führen. Dabei könne es auch “Überraschungen” geben, hatte jüngst Stardirigent Franz Welser-Möst als Mitglied der Findungskommission in den “Salzburger Nachrichten” angekündigt: “Wir suchen nicht Namen, sondern Ideen und Visionen.” Nach den Hearings wird die Kommission jedenfalls dem Kuratorium der Festspiele berichten, das über die Besetzung der Positionen entscheiden wird.