Salzburger Berg ist Namen und Dreitausender-Status los

In den Hohen Tauern in Salzburg hat am Freitag eine Erhebung ihren Status als Dreitausender-Gipfel verloren. Die Graterhebung, 1988 mit Steinen künstlich auf 3.000 Meter erhöht und nach dem Kartografen und Glaziologen Wolfgang Pillewizer benannt, hat nun wieder ihre ursprüngliche Höhe und soll künftig namenlos bleiben, wie der Alpenverein Salzburg in einer Aussendung am Samstag mitteilte. Grund ist die NS-Vergangenheit des Namensgebers.
Alpinisten der Sektion Salzburg des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) stiegen am Freitag zu dem Gipfel in der Venedigergruppe auf und entfernten die seit 38 Jahren dort angebrachte Gedenktafel, die an den Wissenschafter erinnerte. Lange sei Pillewizer als Geograf, Kartograf und Gletscherforscher gewürdigt worden, seine NS-Vergangenheit – er war bereits seit 1932 NSDAP-Mitglied – sei dabei unbeleuchtet geblieben, hieß es. Als die zuvor unbenannte, 2.999 Meter hohe Erhebung 1988 seinen Namen erhielt, hätten Bergsteiger Steine auf den Gipfel getragen, um ihn zu einem Dreitausender zu machen.
Alpenverein beendet Ehrung
Schon damals sei die Benennung kontrovers diskutiert worden, man habe sie aber schließlich zugelassen, berichtete die Historikerin und Alpenverein-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky aus ihren Recherchen. “Indem wir das Schild abnehmen, distanziert sich der Alpenverein von einer personenbezogenen Ehrung, die nicht mit unserer Haltung für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimmt”, so Gerd Frühwirth, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Salzburg. Auch die künstliche Aufschichtung wurde entfernt.
Über die amtliche Führung geografischer Namen entscheidet die Salzburger Ortsnamenkommission, in der auch der Alpenverein vertreten ist. Man kläre daher nun mit den weiteren zuständigen Stellen die nötigen Schritte, damit die Erhebung auch in Karten und geografischen Datenbeständen künftig wieder ohne Namen geführt wird.