Sorge vor Ausweitung des Iran-Kriegs wächst

20.07.2026 • 14:41 Uhr

Nach einer weiteren Nacht mit gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran wächst die Sorge vor einem noch umfassenderen Krieg. Washington verlegt US-Medienberichten zufolge weitere Kampfflugzeuge in die Konfliktregion. Um iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormuz zu unterbinden, bombardierte das US-Militär die neunte Nacht in Folge Ziele im Iran. Dieser griff Kuwait und Bahrain an.

Aus dem Iran wurden Explosionen in mehreren Gebieten gemeldet. Man habe militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke ins Visier genommen, teilte das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM nach Abschluss der jüngsten Angriffswelle am frühen Morgen mitteleuropäischer Zeit auf der Plattform X mit. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete von einem Toten und mehreren Verletzten im Nordwesten des Iran.

In Reaktion auf die nächtelangen US-Angriffe führt Teheran Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region durch. So meldete der Golfstaat Kuwait in der Nacht erneuten Beschuss. Die Luftverteidigung wehre “feindliche Drohnen” aus dem Iran ab, teilte die Armee des Landes mit. Details gab es zunächst nicht. Auch im ebenfalls mit Washington verbündeten Bahrain heulten wiederholt die Sirenen.

Trump: Haben Iran wieder hart getroffen

US-Präsident Donald Trump begründete die jüngsten Angriffe mit dem Tod mehrerer US-Soldaten. Die Angriffe seien “zu Ehren” der “großartigen Patrioten” erfolgt, die im Einsatz waren, “damit der Iran keine Atomwaffen bekommen kann”, sagte er nach der Rückkehr vom Fußball-WM-Endspiel vor Journalisten. “Wir haben sie (die Iraner) heute Nacht wieder sehr hart getroffen”, meinte Trump.

Trump behauptete zudem, der Iran habe im Krieg sehr schwere Verluste erlitten. “Militärisch haben sie fast alles verloren”, sagte er. “Sie haben nur noch sehr wenig übrig. Sie haben noch ein paar Raketen. Sie haben noch ein paar Drohnen.” Das “Wall Street Journal” berichtete kürzlich unter Berufung auf US-Beamte, Trump tendiere dazu, die Einsätze gegen den Iran auszuweiten. Optionen sind demnach, die Luftangriffe zu verstärken, Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormuz einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als “Pickaxe Mountain” bekannt ist.

Hoffen auf Diplomatie

Trotz der zunehmenden Gewalt signalisierten beide Seiten, dass sie eine Rückkehr zur Diplomatie nicht ausschließen würden. US-Außenminister Marco Rubio kündigte weitere Maßnahmen gegen den Iran an, weil dieser nach seinen Worten unvermindert die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormuz angreift. “Solange der Iran darauf besteht, eine internationale Wasserstraße zu kontrollieren, werden wir darauf reagieren müssen.” Die USA blieben jedoch stets offen für eine diplomatische Lösung, so Rubio. Unterdessen hat der Iran eigenen Angaben zufolge Vorschläge von Vermittlern für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen erhalten. Außenamtssprecher Esmail Baghaei bestätigte eine entsprechende Frage in Teheran, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete.

Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, zwei Öltanker seien nach dem Versuch, die Straße von Hormuz auf einer “unsicheren” Route zu durchqueren, “explodiert” und bewegungsunfähig. Ob es sich um einen neuen Vorfall handelt, war zunächst unklar. Die britische Marine-Handelsorganisation (UKMTO) berichtete separat, ein Schiff sei vor der Küste des Oman von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Der Ölpreis stieg daraufhin kurzzeitig auf über 90 Dollar pro Fass.

Der Konflikt erfasst zuletzt verstärkt zivile Infrastruktur. Die Regierung in Kuwait teilte mit, eine Entsalzungsanlage sei am Sonntag den zweiten Tag in Folge angegriffen worden. Entsalzungsanlagen sichern in vielen Golfstaaten die Trinkwasserversorgung für Millionen von Menschen. Der Iran, der die USA am Samstag beschuldigt hatte, eine seiner eigenen Anlagen getroffen zu haben, hatte wiederholt damit gedroht, als Vergeltung für US-Angriffe auf seine Energieinfrastruktur solche Anlagen in den Golfstaaten anzugreifen.

Berichte: USA verlegen weitere Kampfjets nach Nahost

Laut “Wall Street Journal” verlegen die USA nun unter anderem Kampfflugzeuge vom Typ F-16 vom US-Flugplatz Spangdahlem in Deutschland in den Nahen Osten. Zudem würden F-35-Kampfflugzeuge von dem von den USA genutzten Stützpunkt RAF Lakenheath in Großbritannien geschickt. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region. Die “New York Times” meldete dies ebenfalls unter Berufung auf US-Beamte.

Demnach war die Entscheidung bereits getroffen worden, bevor am Freitag laut dem US-Militär zum ersten Mal seit Monaten wieder zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss getötet wurden. Unterdessen meldete das US-Militär den Tod eines weiteren seiner Soldaten. Er sei am Samstag im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben gekommen. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 17.