SCS wird 50 – Einkaufszentren veränderten heimischen Handel

15.09.2026 • 10:19 Uhr
SCS wird 50 - Einkaufszentren veränderten heimischen Handel

Österreichs größtes Einkaufszentrum, die Westfield Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf, wird in Kürze 50 Jahre alt. Anfang der 1970er-Jahre hatte der Wiener Textilfabrikant Hans Dujsik (1924 bis 2003) die Idee, am Stadtrand von Wien eine Einkaufsstadt nach US-amerikanischem Vorbild zu errichten. Am 22. September 1976 wurde die Shoppingmall eröffnet. Der Vormarsch der Einkaufs- und Fachmarktzentren veränderte den heimischen Handel in den vergangenen Jahrzehnten massiv.

1977 machte in der Shopping City Süd das erste Ikea-Möbelhaus in Österreich auf. 1988 wurde die SCS erweitert, 1989 erhielt der Shoppingtempel eine eigene Autobahnabfahrt. 1994 kam das Multiplex mit Kino-Center dazu. 2002 wurden Haupthaus, Ikea und Multiplex verbunden. Unibail-Rodamco-Westfield (damals Unibail-Rodamco) übernahm die Shopping City Süd im Jahr 2008 von der Hans-Dujsik-Privatstiftung für einen kolportierten Kaufpreis von 600 bis 800 Mio. Euro.

Kino-, Entertainment- und Gastroangebot wurde ausgebaut

Von Mitte 2010 bis Ende 2013 wurde die SCS bei laufendem Betrieb um rund 150 Mio. Euro umfassend modernisiert und umgebaut. Im Frühjahr 2021 verkaufte der börsennotierte Shoppingcenter-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield 45 Prozent der SCS für 480 Mio. Euro an die französische Großbank Crédit Agricole Assurances. Im Jahr 2023 wurden 25 Millionen Euro in das SCS Multiplex investiert und ein neues Kino-, Entertainment- und Gastroangebot geschaffen.

Mit rund 330 Geschäften auf über 200.000 Quadratmetern, 60 Gastronomiebetrieben und 10.000 Parkplätzen zählt die Westfield Shopping City Süd zu den größten Shoppingcentern in Europa. Die Corona-Pandemiejahre 2020 bis 2022 trafen die SCS hart. Man habe 2023 wieder das Niveau von 2019 erreicht, sagte der Zentraleuropa-Chef von Unibail-Rodamco-Westfield, Paul Douay, im APA-Gespräch. Trotz schwachem Wirtschaftswachstum in Österreich habe man 2025 einen neuen Rekord bei Umsatz und Besuchern verzeichnet. Erweiterungspläne gibt es aber nicht. “Wir haben genügend Fläche in Vösendorf.”

SCS würde gerne manchmal am Sonntag aufsperren

Die starke Konkurrenz durch den Onlinehandel spüren vor allem die stationären Mode- und Schuhhändler. 30 Prozent der Verkaufsfläche in der SCS entfielen zuletzt noch auf den Modebereich. Seit Jahren sei dieser Anteil rückläufig, so der Manager. Gastronomie und Freizeitangebote würden bereits mehr als 20 Prozent der Fläche in der Westfield Shopping City Süd ausmachen. Im Bereich Gastro, Freizeit und Gesundheit/Body soll das Angebot noch ausgebaut werden. Virgin Active plant, ein Fitnessstudio in der SCS zu eröffnen. Vor Ort ist bereits ein Fitinn.

Douay drängt auf eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten hierzulande. In Bratislava seien etwa Einkaufszentren am Sonntag geöffnet und gut besucht. Für Österreich wünscht sich der Zentraleuropa-Chef von Unibail-Rodamco-Westfield pro Jahr sechs bis zehn Öffnungstage am Sonntag.

Über 250 Shopping Center in Österreich

Derzeit gibt es hierzulande laut dem Berater Standort+Markt 251 Shopping Center, davon 131 Shopping Malls und 120 Fachmarktzentren bzw. Retail Parks. Auf die Shopping Center entfielen zuletzt rund 20 Prozent des Einzelhandelsumsatzes in Österreich. Den Aufstieg der Shopping Center in den vergangenen Jahrzehnten bekamen die klassischen Facheinzelhändler (u.a. Mode, Schuhe) sowie Bäcker und Fleischhauer in den Orts- bzw. Stadtkernen stark zu spüren. Viele Gemeinden und Städte reagierten mit der Errichtung von Fußgängerzonen, um wieder mehr Einkäufer in die Ortskerne zu locken.