Seeadler-Bestand in Österreich auf Rekordhoch

10.09.2026 • 09:20 Uhr
Seeadler-Bestand in Österreich auf Rekordhoch

In Österreich gibt es so viele Seeadler-Paare wie seit der Rückkehr der Art vor rund 25 Jahren nicht mehr. Bei einer aktuellen Großzählung der Naturschutzorganisation WWF wurden 123 territoriale Seeadler-Paare erfasst. 82 davon haben nachweislich gebrütet, bei 41 weiteren wurde ein Revierverhalten festgestellt, ohne dass bisher eine Brut bestätigt werden konnte. Der WWF sieht darin einen Erfolg der langjährigen Schutzmaßnahmen, betonte er in einer Aussendung am Donnerstag.

“Der neue Höchstwert zeigt, wie wichtig konsequente Schutzmaßnahmen sind. Denn die Rückkehr des Seeadlers ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von 25 Jahren gezielter Anstrengungen”, informierte WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. Gleichzeitig gebe es keine Entwarnung. Illegale Abschüsse und Vergiftungen sowie zunehmend auch Kollisionen würden die Art weiterhin gefährden. Der WWF fordert daher einen weiteren Ausbau der Schutzmaßnahmen, insbesondere gegen Wildtierkriminalität und für die Sicherung geeigneter Lebensräume.

Waldviertel als wichtigstes Seeadler-Gebiet

Besonders stark vertreten ist der Seeadler in Niederösterreich. Das Waldviertel hat sich laut WWF zum wichtigsten Seeadler-Gebiet Österreichs entwickelt. Dort wurden 67 Paare erfasst, davon 38 Brutpaare. Damit befinden sich rund 50 Prozent des österreichischen Brutbestandes im Waldviertel. Die Seeadlerdichte liegt dort bei rund 1,5 Brutpaaren je 100 Quadratkilometer, in einzelnen Gebieten werden bis zu sieben Brutpaare je 100 Quadratkilometer erreicht.

Weitere Vorkommen gibt es unter anderem in den Donauauen westlich von Wien, im Weinviertel, in den March-Thaya-Auen, im Industrieviertel sowie im Burgenland. Auch in der Steiermark und in Oberösterreich nehmen die Bestände zu.

Bestände wachsen in später besiedelten Gebieten stärker

Die Zählung zeigt laut WWF unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Regionen. In früh wiederbesiedelten Gebieten wie dem Burgenland sowie den March-Thaya- und Donauauen sind bereits viele Reviere besetzt. Das Bestandswachstum verlangsamt sich dort und nähert sich allmählich den natürlichen Grenzen.

In später besiedelten Regionen wie der Steiermark, Oberösterreich und dem Weinviertel wachsen die Bestände dagegen weiterhin stärker. “Mit der aktuellen Bestandsgröße von 123 Seeadler-Paaren dürfte die Obergrenze noch nicht erreicht sein”, sagte Pichler. Die weitere Entwicklung hänge auch davon ab, ob die bestehenden Gefährdungsursachen wirksam ausgeschaltet werden könnten. Die Seeadler-Zählung wurde mit Unterstützung zahlreicher Helferinnen und Helfer durchgeführt und ist Teil der aktuellen Studie “Populationsdynamik des Seeadlers”.