Selenskyj und Nawrocki nehmen Dialog wieder auf

Vor dem Hintergrund des jüngsten Streits um die Weltkriegsvergangenheit haben der polnische Präsident Karol Nawrocki und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch am Rande des NATO-Gipfels in Ankara den Dialog wieder aufgenommen, ohne jedoch eine Klärung des Konflikts zu erlangen. Ihm und Selenskyj sei es “nicht gelungen, die historischen Fragen” bezüglich der Massaker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu klären, sagte Nawrocki nach dem Treffen.
Selenskyj hatte mit der Benennung einer ukrainischen Armeeeinheit nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) in Polen für Empörung gesorgt. Die UPA hatte zwischen 1943 und 1945 in der Region Wolhynien Massaker an zehntausenden Polen und Juden verübt. Historiker sprechen von bis zu 100.000 Getöteten.
In ihrem Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit von der Sowjetunion kollaborierte die UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit NS-Deutschland. Anführer der UPA war der berüchtigte Stepan Bandera.
Nawrocki erklärte, die Ukraine würde durch die Verwendung der rot-schwarzen Flagge der UPA als Symbol “ihre Zukunft in der EU einschränken”. “Was sich nicht ändert, ist, dass die Russische Föderation sowohl für die Ukraine als auch für Polen nach wie vor die größte Bedrohung darstellt”, betonte Nawrocki. Selenskyj erklärte nach dem Treffen im Onlinedienst X, er und Nawrocki hätten “vereinbart, den Dialog fortsetzen”.
Kritische Position gegenüber der Ukraine
Wegen des Eklats hatte Nawrocki seinem ukrainischen Kollegen die höchste polnische Auszeichnung, den Weißer-Adler-Orden, entzogen. Der rechtsnationale Nawrocki vertritt seit seinem Amtsantritt 2025 eine kritische Position gegenüber der Ukraine.
Trotz des Streits dient Polen weiterhin als Drehscheibe für militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine. Die polnische Regierung unter dem liberalen Ministerpräsidenten Donald Tusk hatte wiederholt zu einer Deeskalation in dem Streit mit Kiew aufgerufen.