Seoul begrüßt Trumps Bemühungen um Nordkorea-Dialog

20.08.2026 • 12:04 Uhr

Südkoreas Staatsführung hat sich hinter die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump gestellt, einen Dialog mit Nordkorea und Machthaber Kim Jong-un zu eröffnen. “Wir teilen Präsident Trumps Bemühungen, die Voraussetzungen für einen Dialog zur Errichtung eines Friedensregimes auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen, selbst wenn dies bedeutet, die gemeinsamen Militärübungen zwischen Südkorea und den USA zurückzufahren”, schrieb Präsident Lee Jae-myung auf X.

Zudem stimme er Trump “voll und ganz” zu, dass Südkorea für die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel verantwortlich sein müsse. Derzeit sind rund 28.500 US-Soldaten in dem Land stationiert. Seit dem Koreakrieg (1950-53) zählt Südkorea, ähnlich wie die NATO-Partner in Europa, auf militärischen Schutz der USA, die die Sicherheit des Landes vor äußeren Angriffen großteils gewährleisten. 

Am Wochenende hatte US-Präsident Trump in einem Post auf der Online-Plattform Truth Social angekündigt, das gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea deutlich zu reduzieren. Er verwies dabei auf seine angeblich “sehr gute Beziehung” zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Die – am Montag angelaufenen – Militärmanöver sendeten ein “völlig unangemessenes und feindseliges Signal” an ein Land, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb Trump. Am Mittwoch bejahte er dann vor Journalisten am Weißen Haus die Frage, ob er damit rechne, Kim noch in diesem Jahr zu treffen. 

Gemeinsame Militärübungen drastisch gekürzt

Südkoreas Generalstab teilte am Mittwoch mit, dass die laufende Militärübung mit dem Titel “Ulchi Freedom Shield” nur halb so lange dauern würden wie ursprünglich geplant und das Manöver auf Wunsch der USA bereits am Freitag ende. Es ist südkoreanischen Medienberichten zufolge das erste Mal, dass das seit Jahren übliche Großmanöver auf diese Weise vorzeitig verkürzt wird. Außenminister Cho Hyun machte zugleich klar, dass seine Regierung über Trumps Online-Post vor Veröffentlichung nicht informiert worden war.

Trotz der Annäherung zwischen Seoul und Washington kritisiert Nordkoreas Regierung die Militärmanöver aufs Schärfste. Kim Yo-jong, Schwester des langjährigen Machthabers, erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch, Umfang und Dauer der Übungen zu verringern ändere nichts an deren “provokativem und offensivem Charakter”. Es handle sich weiterhin um feindselige Militärübungen gegen Nordkorea.

Kim sagte zudem, sie wisse von keiner Kommunikation zwischen den Staatschefs Nordkoreas und der USA. Sie räumte aber ein, dass ihr Bruder “gute Erinnerungen” an Trump hege und die beiden eine nach wie vor gute Beziehung verbinde.

Seoul: Nordkorea hat bis zu 120 Atomwaffen

Trump hatte Kim während seiner ersten Amtszeit mehrfach getroffen. Nach einem ersten Gipfel in Singapur 2018 endete die zweite Begegnung der beiden Staatschefs im folgenden Jahr in Hanoi in einem Eklat: Kim reiste noch vor Ende des offiziellen Programms ab. Hintergrund war ein Konflikt bei den Verhandlungen über Nordkoreas nukleare Abrüstung.

Nach Angaben aus Südkorea verfügt Nordkorea über bis zu 120 Atomwaffen. Verteidigungsminister Ahn Gyu-back schätzte die Zahl am Donnerstag auf 80 bis 120. Eine genaue Anzahl könne er nicht nennen, die Informationen seien auch nicht offiziell bestätigt. Üblicherweise äußert sich Südkorea nicht öffentlich zum Atomprogramm seines Nachbars. US-Präsident Trump hatte zuletzt behauptet, Nordkorea besitze “57 sehr mächtige Atomwaffen”.

Nordkorea feuert über zehn Kurzstreckenraketen ab

Unterdessen feuerte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben mindestens zehn Kurzstreckenraketen ab. Die Flugkörper sollen allesamt in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang gestartet sein, teilte der südkoreanische Generalstab laut der amtlichen Nachrichtenagentur Yonhap mit. Dass Nordkorea so viele Raketen gleichzeitig abfeuert, ist ungewöhnlich. Die Geschosse flogen demnach in östlicher Richtung ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer). Die japanische Regierung berichtete ebenfalls, Nordkorea habe mutmaßlich eine ballistische Rakete gezündet

Dem abgeschotteten Land unter Machthaber Kim ist es gemäß mehreren Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats grundsätzlich untersagt, ballistische Raketen abzufeuern.