Shara Hughes in der Albertina: “Werke, die uns Kraft geben”

08.10.2026 • 10:48 Uhr
Shara Hughes in der Albertina: "Werke, die uns Kraft geben"

Wer zu jung ist, um die LSD-befeuerten Bildwelten und Farbräusche der 60er-Jahre miterlebt zu haben, hat nun mit der Personale zum meist großformatigen Werk von Shara Hughes in der Albertina die Gelegenheit, zumindest das Lebensgefühl nachzuholen. Die 45-jährige US-Amerikanerin reüssiert derzeit auf den Kunstmessen und hat dabei auch Albertina-Direktor Ralph Gleis beeindruckt. Sein Impuls sei gewesen: “Das müssen wir auch einmal dem österreichischen Publikum präsentieren.”

Die erste Einzelschau zu Hughes in Österreich reihe sich nun nahtlos in eine der Grundfragen seiner Direktion ein: “Wie sieht im Moment die weibliche Seite des Kunstbetriebs aus?” Und im Falle von Shara Hughes falle die Antwort eindeutig aus, so Gleis bei der Präsentation der Schau am Donnerstag: “Es sind aus meiner Sicht sehr positive Bilder. Das sind Werke, die uns eine Kraft mitgeben. Sie sind auf eine Art unakademisch, unverstellt, unprätentiös, dass man selbst Lust bekommt, kreativ zu werden.”

Farbräusche und floraler Gigantismus

Und großformatig. Die in Atlanta geborene Künstlerin schafft gigantische Landschaften in knalligen Farben, bunt-poppige Dschungelszenerien, ins megalomanisch vergrößerte Pflanzendetails. In beinahe jedem Bild kommt der gesamte Farbkasten zum Einsatz, vereint expressionistische Farbsprache mit den floralen Ansätzen einer Georgia O’Keeffe. Keine Porträts der Pflanzenwelt, keine Paraphrase von Landschaften, sondern traumartige Szenerien.

Der Prozess des Malens selbst sei für sie ein Umgang mit ihren Gefühlen jedweder Art, unterstrich Hughes selbst: “Wenn ich male, fühle ich mich großartig.” Vorhersehbar sei ihr Schaffen dabei auch für sie selbst nicht: “Manchmal sage ich mir: Mach ein Bild, das primär grün ist – und am Ende ist es blau.”

Die Realität von Gefühlswelten

“Es geht nicht um Fantasie, sondern um die Realität von Gefühlswelten”, zeigte sich auch Albertina-Modern-Chefkuratorin Angela Stief angetan und unterstrich, dass sie das Schaffen der Malerin seit vielen Jahren verfolge. Der Vorwurf der Naivität gegen Hughes’ Ansatz laufe deshalb ins Leere: “Es ist der Versuch, einen unverfälschten Ausdruck auf die Leinwand zu bringen. […] Die Realität von inneren Welten ist wichtig und wert, gesehen zu werden.”

Wer sich diese farbüberbordenden, beinahe kindlichen Innenwelten persönlich zu Gemüte führen möchte, hat in der Albertina nun bis Ende Februar die Gelegenheit. Zu sehen sind dabei sowohl Arbeiten der vergangenen zehn Jahre als auch jüngste Werke, inklusive Keramikarbeiten.

(S E R V I C E – “Shara Hughes. Sink In” in der Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 von 9. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027. )