Signa-Pleite – Weitere Immo-Juwele kurz vor Verkauf

Im Zuge der milliardenschweren Pleite des Immo-Konzerns Signa befindet sich die Verwertung von Top-Immobilien und Beteiligungen auf der Zielgeraden. Bis Ende 2026 soll sie weitgehend abgeschlossen sein, bekräftigt die Insolvenzverwalterin Abel Rechtsanwälte GmbH laut “Kurier” im jüngsten Zwischenbericht. Mehrere Schlüsselobjekte wie etwa das Luxushotel Park Hyatt und das Goldene Quartier in der Wiener Innenstadt befinden sich demnach in strukturierten Verkaufsprozessen.
Die Verwertung bezieht sich auf die seit rund zweieinhalb Jahren insolvente Signa-Teilgesellschaft Signa Prime Selection AG (SPS), in der die Luxusimmobilien der Gruppe gebündelt wurden.
Park Hyatt und Goldenes Quartier vor Verkauf
Für das Park Hyatt Am Hof sei bereits Verhandlungs- und Abschlussexklusivität mit einer Bieterin vereinbart worden, heißt es im mittlerweile vierten Zwischenbericht der Insolvenzverwalterin. Der Verkauf soll bis Ende September über die Bühne sein. Insidern zufolge gehe es dabei um rund 330 Mio. Euro, schreibt der “Kurier”. Die potenzielle Käuferin soll eine Gesellschaft des oberösterreichischen Investors Josef Rainer sein.
Für die Retail- und Büroimmobilie “Goldenes Quartier” in der Tuchlauben läuft der Verkaufsprozess den Angaben zufolge seit Mai. Der Verkehrswert der Immobilie, die jährlich Mieteinnahmen von 18 Mio. Euro abwirft, wird auf 458 Mio. Euro geschätzt. Die Signa Prime hält mittelbar 75,31 Prozent der Anteile, die deutsche RAG-Stiftung die restlichen knapp 25 Prozent.
Postsparkasse insolvent
Das denkmalgeschützte Otto-Wagner-Gebäude der Postsparkasse in der Wiener Innenstadt konnte den Angaben zufolge nicht mehr solvent verkauft werden. Im April wurde über die Eigentümergesellschaft Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & Co OG ein Insolvenzverfahren eröffnet. Für die Verwertung ist nun Insolvenzverwalter Stephan Riel zuständig.
In der Schweiz gehören der Signa Prime über ein 50:50-Joint-Venture mit der thailändischen Central Group Anteile an fünf Globus-Immobilien. Für das Objekt in Bern (Spitalgasse 17-21) wurde laut Bericht ebenfalls Verhandlungsexklusivität vergeben – ein Abschluss werde bis Ende September erwartet. In Basel laufe seit April der Verkaufsprozess für die Freie Straße 50, nachdem Globus dort ausgezogen und ein Nachmieter gefunden worden sei.
Parallel dazu verhandle die Insolvenzverwalterin mit der Central Group über eine mögliche Übernahme der Joint-Venture-Anteile oder eine Verwertung der übrigen Objekte.
In Deutschland weit fortgeschritten
In Deutschland ist man im Verwertungsprozess bereits weit fortgeschritten – die meisten Immobilien seien bereits verkauft oder befänden sich in Insolvenzverfahren unter der Verwaltung von Torsten Martini.
Aus der Verwertung der Beteiligung an der Düsseldorfer Carschhaus-Immobilie flossen der Signa Prime laut Bericht rund 8,1 Mio. Euro zu – nach Abzug von Kosten und Masseforderungen. Ein Teil davon unterliege allerdings der sogenannten Wasserfall-Regelung mit dem Finanzgläubiger Mezz 23. Eine Wasserfall-Regelung legt fest, in welcher Reihenfolge Gewinne und Erlöse an verschiedene Parteien verteilt werden.
Insgesamt flossen bisher Einnahmen in Höhe von etwa 25,2 Mio. Euro aus strukturierten Immobilienverkäufen unterhalb der Signa Prime Capital Invest (SPCI) in die Insolvenzmasse der Signa Prime. Weitere Zuflüsse bis zu 28 Mio. Euro würden bis Jahresende aus der abgeschlossenen Transaktion in Düsseldorf (Wehrhahn 1) erwartet.
Unternehmensfortführung bis Ende November
Die Signa Prime hat den Angaben zufolge noch 13 Beschäftigte, darunter die Vorstände. Diese seien vor allem im Asset- und Transaktionsmanagement sowie im Controlling tätig. Die Unternehmensfortführung ist vom Handelsgericht Wien bis 30. November 2026 genehmigt. Laut Insolvenzverwalterin ist der Fortbetrieb notwendig, um die Verwertungserlöse zu sichern – die Beteiligungsgesellschaften verfügen selbst über keine Mitarbeiter oder Infrastruktur.
Zur Abwicklung der Luxemburger Struktur sei gemeinsam mit der Signa Development Selection die Servicegesellschaft Signa Development Luxemburg S.à r.l. erworben und mit bis zu 420.000 Euro finanziert worden.
Millionenschwere Anfechtungsklagen
Neben der Immobilienverwertung treibt die Insolvenzverwalterin auch massiv die Durchsetzung von Anfechtungs- und Haftungsansprüchen voran. Bisher seien rund 67,2 Millionen Euro aus gerichtlichen und außergerichtlichen Vergleichen zurück in die Masse geflossen. Derzeit liefen über 20 Anfechtungsklagen vor dem Handelsgericht Wien – darunter gegen die Hamburg Commercial Bank (24 Mio. Euro), die Kühne Immobilia Austria (16,5 Mio. Euro) und die RAG-Stiftung (8,3 Mio. Euro).
Gegen Organmitglieder und Berater wurden zudem außergerichtliche Haftungsansprüche geltend gemacht. Vergleichsgespräche laufen. Klagen sollen bis Anfang des vierten Quartals 2026 eingebracht werden, falls keine Einigung erzielt wird.