Slowakisches Unternehmen als mögliche Ardo-Alternative

Nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich hat sich ein slowakisches Unternehmen als mögliche Alternative für die betroffenen Bauern herauskristallisiert. Der Tiefkühlgemüseproduzent Equus hat Interesse, Ware aus dem Marchfeld zu verarbeiten und verfügt auch über freie Produktionskapazitäten, berichtete das Ö1-“Mittagsjournal” des ORF am Mittwoch. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) will diese Option prüfen.
Equus verarbeitet diverse Gemüsesorten wie Erbsen, Mais, Karotten bis hin zu passiertem Spinat, sagte Vorstandsmitglied Tomas Jamriska dem “Mittagsjournal”. In der Vorwoche sei das Unternehmen vom slowakischen Landwirtschaftsministerium über ein Kooperationsinteresse von österreichischen Bauern informiert worden. Zuvor habe es eine Kontaktaufnahme durch das österreichische Landwirtschaftsministerium mit dem slowakischen Ressort gegeben.
ETG-Obmann Kriegl: “Wir werden schauen, ob da was möglich ist”
Die Equus-Produktionsstätte in Vinica im Süden der Slowakei ist rund 200 Kilometer vom Marchfeld entfernt, wie auch der “Kurier” berichtete. Aus Sicht von ETG-Obmann Robert Kriegl ist jede sich auftuende Möglichkeit “eine gute Option”, wie er dem “Mittagsjournal” sagte. Es brauche jedoch eine genaue Überprüfung, man müsse sehen, “ob das den Erwartungen auch entsprechen” könne: “Wir werden schauen, ob da was möglich ist.” Gleichzeitig werde aber auch in Österreich weiter nach Lösungen für eine Produktionsstätte gesucht.
Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) berichtete von rund um die Uhr laufenden Gesprächen mit Wirtschaft, Bauern und dem Handel. “Das Ziel lautet: Möglichst viel Gemüseproduktion im Marchfeld sichern und möglichst viel heimische Gemüseprodukte im Handel sichern. Für die Versorgungssicherheit der Österreicherinnen und Österreicher und für die Produktion am Standort Niederösterreich”, so Pernkopf. Die Verhandlungen laufen in mehrere Richtungen, um bestehende Produktionslinien aufzustocken oder zusätzliche Verarbeitungsmöglichkeiten aufzubauen oder zu finden, wurde betont. Bund und Land stünden mit Investitionsförderungen zur Seite.
Mehrere Redner bei Kundgebung am Montag
In den Verhandlungen um einen Sozialplan für die 190 Ardo-Beschäftigten ist für Freitag die nächste Gesprächsrunde geplant. Für Montag fixiert wurde indes eine Protest- und Solidaritätskundgebung vor dem Werk in Groß-Enzersdorf, die von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA organisiert wird. Sprechen werden ab 8.00 Uhr u.a. die Bundesvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) sowie Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ.
Als Redner angekündigt ist für Montag auch Dietmar Breiner, der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrates von Ardo. Er meldete sich am Mittwoch erneut via Youtube zu Wort und warnte vor einer Spaltung der Belegschaft. Seitens der Geschäftsleitung würden mögliche Sozialplansummen genannt, diese seien “keineswegs” mit dem Betriebsrat verhandelt bzw. von diesem unterschrieben worden und zählten daher auch nicht.
Ardo will für Mitarbeiter “so schnell wie möglich Klarheit” schaffen
In Bezug auf die Sozialplan-Verhandlungen stellte PRO-GE-Landesgeschäftsführer Patrick Slacik im “Mittagsjournal” erneut auch in den Raum, die Schlichtungsstelle beim Arbeits- und Sozialgericht in Korneuburg anzurufen. Ardo selbst hielt sich am Mittwoch auf APA-Anfrage eher bedeckt. “Das Unternehmen hält an der Absicht fest, die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mithilfe eines Sozialplans zu unterstützen. Wir laden die Arbeitnehmervertreter ein, die Verhandlungen über den Sozialplan am Freitag, dem 6. November, wieder aufzunehmen, um für die Mitarbeiter so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen”, teilte ein Sprecher der Ardo Austria Frost mit.
Ende September hatte die belgische Ardo-Gruppe bekanntgegeben, ihr Werk in Groß-Enzersdorf Ende August 2027 zu schließen. An dem Standort im Bezirk Gänserndorf wird beispielsweise für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die der Sozialplan erarbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Ardo hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die ETG, die für das Unternehmen produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.