Sommernachtskonzert: Ein bunter Abend in Schönbrunn

Mit leichter Kavallerie in einen luftig-leichten Abend. Die Wiener Philharmoniker haben nach den zwischenzeitlichen Kalamitäten ob der Förderung am Freitagabend ihr traditionelles Sommernachtskonzert vor Schloss Schönbrunn gefeiert – und sind dabei mit Franz von Suppès Ouvertüre zu “Leichte Kavallerie” gestartet. Was folgte, war ein ungewöhnlich buntes Programm zwischen Musical, Operette und Ballett mit Bassbariton Bryn Terfel als vokaler Unterstützung.
Wohl wenige sind so geeignet für das Großformat im Schönbrunner Schlossgarten wie der 60-jährige Waliser, der auch ohne Kostüm und Kulissen als begnadeter Sängerschauspieler ein Publikum durch seine Mimik einnehmen kann. Dies traf für ihn als diabolischen Mefistofele in Arrigo Boitos gleichnamiger Oper zu wie für seine Paraderolle des Tevje aus dem Musical “Anatevka” mit “If I Were a Rich Man”.
Etwas für jeden Geschmack
Damit setzten die Philharmoniker wie selten zuvor auf das Motto, ein Event für alle Geschmäcker zu liefern – ein Motto, das auch schon zuvor das Sommernachtskonzert zum zweitgrößten weltweit übertragenen Klassikkonzert nach dem Neujahrskonzert gemacht hatte. Knapp über 50.000 Besucher fanden sich laut Veranstalterangaben auch heuer wieder alleine im Schlosspark ein. Dabei stand das Klassikformat heuer zwischenzeitlich auf der Kippe, nachdem die Stadt ihre Förderung von 250.000 Euro einstellen wollte – bis man sich zumindest auf 100.000 Euro als Unterstützung für das Gratiskonzert einigte.
Apropos Neujahrskonzert: Wie schon zum Jahresauftakt hatte man nun auch in Schönbrunn ein Werk der in den vergangenen Jahren wiederentdeckten US-Amerikanerin Florence Price (“Adoration”) im Talon. Das breite Spektrum umfasste weiters einen Part aus Richard Wagners “Rheingold”, während das Staatsballett nicht auf Götterburg Walhalla, sondern die Habsburger-Residenz Schönbrunn einen poetischen Schattentanz zu Ravels “Daphnis et Chloé” zauberte. Und natürlich stand auch heuer am Ende das Finale mit dem Strauss’schen Walzer “Wiener Blut”.
Diesen stilistischen Bauchladen zusammen hielt der junge Schweizer Pultshootingstar Lorenzo Viotti, seines Zeichens designierter Generalmusikdirektor von Zürich ab 2028, der sich bei seinem Sommernachtskonzert-Debüt trittsicher in allen Genres zeigte. Wenn sich damit nicht jemand für eine der nächsten Einladungen ans Pult des Neujahrskonzerts empfahl …
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E – Nach der zeitversetzten Übertragung auf ORF 2 erneut im Fernsehen zu erleben ist das von 17 Kameras mitgefilmte Sommernachtskonzert am Samstag, 20. Juni, auf 3sat ab 20.15 Uhr sowie am Samstag, 29. August, um 10.30 Uhr)