Spar und Frutura testen Anbau alter Apfelsorten

Der Handelskonzern Spar will gemeinsam mit dem Obst- und Gemüsehersteller und -vermarkter Frutura alte Apfelsorten wieder in die heimischen Regale der Supermärkte bringen. Das Projekt ist am Mittwoch in der Nähe der oststeirischen Gemeinde Großwilfersdorf auf der Versuchsanlage von Frutura vorgestellt worden. Die erste Tonne vom Tiroler Falchs Gulderling und dem Ilzer Rosenapfel wurde heuer bereits von rund 2.150 Bäumen geerntet. Die Flächen werden nun vergrößert.
In Österreich gibt es rund 2.000 Apfelsorten, aber nur etwa zehn davon sind am Markt erhältlich. 2023 entstand im sogenannten Bienenrat bei Spar die Idee, andere, fast vergessene Sorten wieder zu kultivieren. “Nicht aus einem romantischen Grund heraus, sondern für Biodiversität und Artenvielfalt”, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Spar, Markus Kaser, am Mittwoch die Beweggründe. Es gehe weiters darum, ein “spannendes Lebensmittel” an die Kundinnen und Kunden zu bringen. Nebeneffekt: Je diverser die Anbausysteme, desto stabiler ist die Versorgungssicherheit. “Es ist also kein PR-Gag mit einem schönen Prospekt”, versicherte Kaser.
Projektpartner ist der steirische Konzern Frutura, der sich in den vergangenen zehn Jahren zu Österreichs größtem Gemüse- und Obstlieferanten entwickelt hat und der unter anderem nahe Bad Blumau in riesigen Gewächshäusern Tomaten, Gurken und Co. mit Energie aus Geothermie ganzjährig produziert. Geschäftsführer Manfred Hohensinner erklärte auf der Versuchsanlage, dass zusammen mit der Arche Noah, der Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt, zwei Sorten ausgewählt wurden. Zum einen fiel die Wahl auf den Ilzer Rosenapfel, im Volksmund auch als Ilzer Weinler bekannt, der schon viele Jahrzehnte in der Oststeiermark oft für Mostproduktion, aber auch als Tafelapfel verwendet wurde. Zum anderen wurde der Tiroler Falchs Gulderling gewählt, von dem es in der freien Natur wahrscheinlich gar keine Bäume mehr gibt, sondern nur noch Edelreiser.
Versuchsfläche wird ausgeweitet
Der Ilzer Rosenapfel ist in der Natur nur noch vereinzelt auf Streuobstwiesen zu finden. Die Edelreiser (einjährige, unverzweigte Triebe, die bei der Veredlung auf andere Baumstämme aufgebracht werden; Anm.) wurden im Sortenerhaltungsgarten Wagersbach angekauft. Für den Falchs Gulderling musste Frutura bis nach Südtirol ins Versuchszentrum Laimburg fahren, um Mutterbäume zu holen. “Es ist ein aufwendiger Prozess. Es ist nicht einfach, alte Apfelsorten zu kultivieren. Sie haben eine andere Genetik und verhalten sich im Wachstum auch anders”, schilderte Hohensinner die Herausforderung.
Nun gab es nach drei Jahren die erste Ernte von der rund 0,7 Hektar großen Versuchsfläche. Tochter Katrin Hohensinner-Häupl, ebenfalls Geschäftsführerin der Frutura, präsentierte das Ergebnis: Der Tiroler Gulderling ist tatsächlich großfallend, wie in der Literatur beschrieben, sagte sie. Der Apfel ist reif äußerst rot und groß. Der Ilzer Rosenapfel dagegen fällt kleiner aus und ist farblich weniger intensiv. Beide bestechen im Geschmack und würden “an Äpfel aus der Kindheit” erinnern, so Hohensinner-Häupl.
Auffallend war, dass die Bäume vorerst eher weniger Äpfel getragen haben. Man müsse erst abwarten, wie es in den kommenden Jahren weitergehe. Und nun werde die Lagerfähigkeit geprüft sowie der Geschmack nach einer gewissen Lagerzeit. Von der ersten, geernteten Tonne werde daher nur wenig in den Handel gelangen – eventuell in die Filiale Schottentor in Wien, meinte Kaser. Das meiste werde wohl intern bei Frutura und Spar vergeben.
Herausforderung professioneller Anbau
Verkauft werden sollen die alten Sorten zu einem etwas höheren Preis als andere Äpfel, doch Spar wolle die Kundinnen und Kunden auch darauf aufmerksam machen, was hinter den Äpfeln steckt. “Es wird sich aber jeder die Äpfel leisten können”, versprach Kaser. Zur Massenware werden sie allerdings wohl nie werden. Vorerst soll die Versuchsfläche auf einen Hektar ausgeweitet werden, wie es danach weitergehe, werde sich zeigen, sagte Hohensinner-Häupl. Abzuwarten bleibe auch, wie die Kundinnen und Kunden die Äpfel annehmen. Sie bringen jedenfalls mehr Farbe und neue Geschmacksprofile in die Regale. “Die Sorten geraten sonst in Vergessenheit”, so Hohensinner.
Um sie allerdings auf den Markt zu bringen, sei der professionelle Anbau notwendig. Da hätten sich laut Gottfried Dampfhofer von Frutura auch Unterschiede gezeigt: Der Falchs Gulderling falle nicht nur groß aus, sondern er wachse auch relativ schnell und ist spätreifend. Die moderne Bewirtschaftung des Baums dürfte gegeben sein, zeigen die ersten Jahre. Der Wuchs des Baums des Ilzer Rosenapfels dagegen war wesentlich sperriger und stark. “Er muss erst ins physiologische Gleichgewicht kommen”, so der Experte. Zudem trage diese Sorte weniger Früchte und der Baum sei auch hitzeanfälliger, wie sich im vergangenen Sommer gezeigt habe. Die Äpfel werden sehr spät reif.