Sporthändler Hervis schließt ein Fünftel der Filialen
Die neuen Hervis-Eigentümer sperren im Rahmen der strategischen Neuausrichtung ein Fünftel der Filialen zu. “Es werden 17 der aktuell 93 Standorte in ganz Österreich im Laufe des Jahres 2026 geschlossen, da diese nicht ertragbringend zu betreiben sind”, hieß es von Hervis auf APA-Anfrage. Von den Filialschließungen sind rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Laut Firmenangaben wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ein Sozialplan erstellt.
Die Schließungen werden schrittweise unter Einhaltung von Kündigungsfristen der Mietverträge erfolgen. Bereits geschlossen wurden 2026 laut Firmenangaben die Hervis-Standorte Salzburg (SAM Outlet) und Baden. Im Laufe des Jahres 2026 schließen die Filialen Q19 in Wien, Bischofshofen, Salzburg Forum, Hallein, Reutte, Kitzbühel, Lienz, Feldkirchen, Deutschlandsberg, Leoben, Liezen, Perg, Steyr, Wels und Linz (Lentia). Im April wurde das Hervis-Auslandsgeschäft mit 43 Filialen an einen nicht namentlich genannten Investor verkauft.
Hervis wird neu ausgerichtet
Anfang des Jahres hatte der Handelskonzern Spar den defizitären Sporthändler an die deutschen Investoren Sven Voth und Udo Schloemer verkauft. Der neue Hervis-Eigentümer ist die Quantum Investment Holding GmbH mit Sitz in Wien. Jeweils 50 Prozent an der GmbH halten laut Firmenbuch der deutsche Investor und Snipes-Gründer Voth und Schloemer, Gründer des Bürocampus Factory Berlin. Mit der Restrukturierung soll Hervis auf “zukünftige Markt- und Kundenanforderungen” ausgerichtet werden.
Im Rahmen des Strategieplans HERVIS 4.0 will der Sporthändler seinen Fokus “auf die Plattform-Ökonomie, Communitys, einen premium ‘digital first’-Ansatz und einen einzigartigen Sports-Culture-Ansatz” richten. “Erste sichtbare Elemente” von HERVIS 4.0 will man im vierten Quartal 2026 präsentieren, hieß es zur APA.
Sporthandel in Österreich umkämpft
In den Jahren 2023 und 2024 hatte die damalige Spar-Tochter Hervis Verluste von über 100 Mio. Euro angehäuft. Allein 2023 belief sich der Abgang inklusive Abschreibungen auf 64 Mio. Euro, 2024 waren es 43 Mio. Euro. Auch der Umsatz war zuletzt rückläufig und sank von 261 auf 253 Mio. Euro. Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
Der Sporthandel ist in Österreich hart umkämpft. Die Coronapandemie brachte der Sporthändlerbranche einen Sonder-Umsatzboom in den Jahren 2020 und 2021. Die Konsumzurückhaltung aufgrund hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation brachte die Branche in den Folgejahren dann aufgrund von entstandenen Lagerüberkapazitäten in Bedrängnis. Das Filialgeschäft des Grazer Outdoor-Ausrüsters Northland schlitterte im Frühjahr 2022 in die Insolvenz und wurde nicht weitergeführt. Die Sport-2000-Genossenschaft Zentrasport, die selbstständige Sporthändler beliefert, meldete Mitte 2023 Insolvenz an und wurde Anfang 2024 von der deutschen ANWR Group übernommen. Der norwegische Sporthändler XXL zog sich Ende 2023 nach sieben Jahren wieder aus Österreich zurück. Die Kastner-&-Öhler-Tochter Gigasport schloss Anfang 2025 4 von 14 Standorten.