Start seismischer Messungen für Grazer Geothermie

Der österreichische Energie- und Chemiekonzern OMV beginnt dieser Tage mit den seismischen Messungen für das beinahe schon zu Grabe getragene Geothermie-Projekt für Graz. Die nun anlaufenden Messungen finden großteils im oststeirischen Becken östlich von Graz statt. Das Potenzial für Geothermie soll damit überprüft werden. Die Vorfinanzierung für die Messungen trägt die Energie Steiermark, die weiterhin Gespräche mit der Stadt Graz führe, hieß es auf APA-Nachfrage.
Spezielle Seismik-Lkw werden bis April vorwiegend entlang der öffentlichen Straßen Schwingungen erzeugen. Die Reflexionen der tiefen Gesteinsschichten werden dann mit sogenannten Geophonen aufgefangen und aufgezeichnet. Die erzeugte Vibration sei laut OMV mit natürlichen Bodenschwingungen vergleichbar und habe daher keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Sollte sich das vermutete geothermische Potenzial bestätigen, könnten OMV gemeinsam mit Energie Steiermark und Energie Graz die langfristige Gewinnung von Wärme aus Tiefengeothermie für den Großraum Graz auf die Beine stellen. So war jedenfalls der ursprüngliche Plan, bis es um Haftungen ging, für die die Stadt Graz nicht aufkommen wollte.
Start in Region Feldbach und Riegersburg
Das Projekt kippte im Vorjahr, doch die Energie Steiermark will weiterhin das Potenzial erkunden und übernimmt daher nun die Vorfinanzierung für die seismischen Messungen in der Höhe von rund 5 Mio. Euro. Mit den Messungen soll der Untergrund in 700 bis 3.500 Metern Tiefe untersucht werden. Begonnen wird ganz im Osten des Untersuchungsgebiets – davon betroffen sind beispielsweise Feldbach und Riegersburg, wo es schon in dieser Woche zu Messungen kommt.
Weiter geht es dann auch in den Bezirken Graz Stadt, Graz Umgebung, Südoststeiermark, Weiz, Voitsberg, Leibnitz und Deutschlandsberg. Die Arbeiten führt das polnische Unternehmen Geofizyka Toruń S.A. im Auftrag der OMV GeoTherm Graz GmbH durch. Unterstützt wird das Projekt von der GeoSUP-AM GmbH, die mögliche Schäden transparent dokumentiert, damit diese gegebenenfalls ersetzt werden. Die Messungen erstrecken sich über eine Gesamtlänge von rund 900 zu fahrenden Kilometern. Drei Teams mit Seismik-Trucks seien parallel im Einsatz.
Wissen um Heißwasserreservoirs senke Projektrisiko
Der aktuelle Messfortschritt ist online auf einer Karte unter abrufbar. Dort werden alle Straßenabschnitte angezeigt, in denen Messungen geplant sind, innerhalb der nächsten 48 Stunden stattfinden oder bereits abgeschlossen wurden. Im Bereich, in denen die Seismik-Trucks im Einsatz sind, sei mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen, so die OMV. Seitens der Energie Steiermark hieß es, dass mit dem Wissen, wo die Heißwasserreservoirs sind, das Projektrisiko senken könne.
Das Projekt war im November überraschend gestoppt worden, da Beschlüsse der Stadt Graz fehlten. Knackpunkt war die Haftungsaufteilung. Vonseiten des Büros von Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hieß es damals, dass die Stadt “die uneingeschränkte Haftung zu tragen gehabt hätte”. Ein Angebot der Energie Steiermark, die die städtische Fernwärmesparte der Energie Graz kaufen wollte, wurde zurückgewiesen. Es folgten weitere Gespräche zwischen der Energie Steiermark und der Stadt Graz, die schließlich nun zu den seismischen Messungen geführt haben. Die Haftungsfrage ist aber weiterhin ungeklärt.
Die OMV arbeitet gemeinsam mit der Wien Energie bereits seit einiger Zeit an der Erschließung eines Geothermie-Vorkommens im Wiener Becken. Ab 2028 soll die Anlage Fernwärme für 20.000 Wiener Haushalte erzeugen.