Steirische Christof Industries neuerlich insolvent
Die Christof Industries Austria GmbH hat am Freitag ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht Graz beantragt. Eine Fortführung wird angestrebt, wie das Unternehmen mitteilte. Den Gläubigern soll eine Quote von 20 Prozent angeboten werden. Betroffen sind rund 180 Beschäftigte an den Standorten Graz, Wels und Wien, weiters – laut Kreditschützern – 454 Gläubiger. Christof war bereits 2022 insolvent, das Verfahren wurde 2023 erfolgreich abgeschlossen.
Den nach Einschätzung der Schuldnerin mit rund 6 Mio. Euro zu Liquidationswerten bewerteten freien Aktiva stehen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 30 Mio. Euro gegenüber, teilte die Creditreform mit. Im Zerschlagungsfall könnten sich die Passiva aufgrund von Schadenersatzforderungen auf rund 62 Mio. Euro erhöhen. Laut Christof Industries Austria GmbH belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 30 Mio. Euro. Die im Vermögensstatus zusätzlich ausgewiesenen rund 32 Mio. Euro seien Haftungen, die ausschließlich im Fall einer Schließung des Unternehmens für nicht fertiggestellte Projekte schlagend würden – ein Szenario, das durch die Fortführung vermieden werde. Die Gesellschaften der Gruppe in Rumänien und China seien von dem aktuellen Sanierungsverfahren nicht betroffen.
Vielfältige Ursachen für Liquiditätsmangel
Die Antragstellerin ist Teil der Christof Industries-Unternehmensgruppe und im Maschinen- und Anlagenbau tätig. Die Firma deckt Leistungen entlang des gesamten Lebenszyklus von Industrieanlagen ab und ist insbesondere in den Bereichen Mechanik, Elektrik sowie Service- und Wartungsleistungen für industrielle Anlagen tätig. Alleingesellschafterin der Insolvenzantragstellerin ist die FMT Industrieholding GmbH. Als Geschäftsführer fungieren Johann Christof und Wolfgang Körner.
Bereits 2022 war ein Insolvenzverfahren anhängig, welches nach Annahme eines Treuhandsanierungsplans aufgehoben wurde. Die damals vereinbarte 20-prozentige Quote wurde erfüllt. Im Zuge des Vorverfahrens wurden diverse Restrukturierungsmaßnahmen wie die Schließung einzelner Teilbereiche sowie eine Reduktion des Mitarbeiterstandes durchgeführt. Die Gründe für die neuerliche Insolvenz wurden von Christof Industries auf die Folgen der COVID-19-Pandemie, massive Störungen in der Projektabwicklung, die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts, starke Energiepreissteigerungen sowie Kostenüberschreitungen bei Großprojekten zurückgeführt.
Laut Unternehmen volle Auftragsbücher
Nach den Angaben der Insolvenzantragstellerin konnte – dem AKV und KSV zufolge – seit Abschluss des früheren Sanierungsverfahrens keine ausreichende Bankfinanzierung sichergestellt werden. Zusätzlich habe ein in London geführtes Schiedsverfahren die wirtschaftliche Entwicklung belastet. Der Ende August 2026 ergangene Schiedsspruch fiel laut dem Unternehmen überraschend nur zu einem Bruchteil zu ihren Gunsten aus und führte letztlich zu einem erheblichen Liquiditätsengpass.
Der Antrag auf ein Sanierungsverfahren wurde Freitagmittag angenommen, das Verfahren eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Stefan Weileder bestellt. Das Unternehmen will den Betrieb fortführen und den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent der angemeldeten Forderungen anbieten, zahlbar binnen 24 Monaten nach Annahme des Sanierungsplans und dessen rechtskräftiger Bestätigung. Seitens Christof wird betont, dass die Auftragsbücher voll seien und Projekte fortgeführt werden. Die Sanierung soll vom Insolvenzrechtsexperten Clemens Jaufer begleitet werden. Die für den Sanierungsplan erforderlichen Mittel sollen aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden – aus der Fortführung der Projekte und den damit einbringlichen Forderungen.